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Donnerstag, 29. Mai 2008

Bon Jovi - Von wegen "Hausfrauen-Rock"!

Früher habe ich eine Zeit lang recht gerne Bon Jovi gehört, und es befinden sich auch ein paar ihrer CDs in meiner Sammlung.

Irgendwann habe ich mich dann allerdings nicht mehr weiter mit der Band beschäftigt, da zumindest die Singles nicht immer so ganz meinen Geschmack trafen und auch die Balladendichte immer mehr zunahm.

So kam es mir jedenfalls immer vor.

Als dann im letzten Jahr das "Lost Highway" Album veröffentlicht wurde und vielerorts wegen seiner Countrylastigkeit sehr kontrovers aufgenommen wurde, machte mich das irgendwie neugierig, und ich kaufte mir das Album.

Nach ein paar Durchläufen war ich mir dann sicher... Das ist echt richtig gut.

Lorenza Ponce, David Bryan, Richie Sambora, Jon Bon Jovi & Tico Torres

Somit bestellte ich mir nach der Ankündigung der Tour auch gleich ein Front Of Stage Ticket für den Auftakt der Europa-Tour in Gelsenkirchen und war wirklich gespannt, was mich da wohl erwarten würde.

Zuvor hatte ich Bon Jovi noch nie live gesehen, hatte allerdings schon des Öfteren gehört, dass sie eine richtig gute Live-Band sein sollen.

Am 22.05.2008 war es dann endlich soweit, und ich machte mich auf den Weg nach Gelsenkirchen in die Veltins Arena.

Als ich den vom Rest des Innenraums abgetrennten Front Of Stage Bereich vor der Bühne betrat, war dieser bereits gut gefüllt... Meiner Meinung nach sogar zu gut.

Zwar war die Sicht auf die Bühne von dort vorne wirklich klasse, aber sehr viel Bewegungsfreiheit hatte man nicht.

Im Vorprogramm spielte die italienische Rockröhre Gianna Nannini, deren Songs mir zwar fast alle wirklich gut gefielen, doch irgendwie passte das einfach nicht so richtig zu Bon Jovi.

Nach einer für ein Konzert dieser Größenordnung recht kurzen Umbaupause betraten Bon Jovi die Bühne und gaben mit dem Opener "Lost Highway" gleich richtig Gas.

Die Setlist bestand aus einer ordentlichen Mischung alter und neuer Songs und enthielt auch nur wenige Balladen.

Statt dessen wurde meist so richtig schön gerockt, und es wurden auch ein paar Male Klassiker anderer Bands in die Songs eingebaut.

Bei "I'll Sleep When I'm Dead" gab es so z.B. "Rockin' All Over The World" von John Fogerty und "Start Me Up" von den Rolling Stones (inkl. Mick Jagger Gepose von Jon Bon Jovi) zu hören, und als Intro für "Summertime" gab es "We Will Rock You" von Queen.

Die Jungs waren gut aufgelegt und auch spieltechnisch wirklich perfekt.

Besonders Gitarrist Richie Sambora begeisterte immer wieder durch tolle Soli, die ihm mancher so heute wohl nicht mehr zugetraut hätte, und bei "These Days" durfte er sich dann sogar als absolut fähiger Leadsänger präsentieren.

Neben den vier Mitgliedern von Bon Jovi waren als Gastmusiker noch der mittlerweile eigentlich schon fast zum Inventar zählende Bassist Hugh McDonald, der Gitarrist Bobby Bandiera und eine Geigerin mit dabei.

Aber auch das aus einer riesigen Hintergrundleinwand aus Lämpchen und mehreren kleinen, sehr hochauflösenden und sogar beweglichen Leinwänden bestehende Bühnenbild war wirklich gelungen.

Bon Jovi - Bühnenbild

Ständig gab es irgendwelche Lichteffekte, Animationen und brilliante Shots der Band in voller Aktion auf den Leinwänden zu sehen, so dass nicht nur das Ohr sondern auch das Auge richtig etwas geboten bekam.

Für die weiblichen Zuschauer hätten dazu aber wohl auch schon die Jungs selbst ohne Show gereicht.

Als nach 2 1/4 Stunden und 22 Songs in der Arena wieder das Licht anging, war ich mir bereits sicher, dass das bestimmt nicht mein letztes Bon Jovi Konzert gewesen war.

Sicherlich war der Anteil der weiblichen Konzertbesucher sehr hoch, doch "Hausfrauen-Rock" war das ganz sicher nicht, was die Jungs uns da durch die Gehörgänge bliesen... Das war richtig guter, straighter Rock, der einfach Spaß macht.

Am Wochenende nach dem Konzert hörte ich dann mal wieder meine Bon Jovi CDs, ehe ich mich dann irgendwann dabei ertappte, bei eBay nach Tickets für das Konzert in Hamburg zu suchen.

Meine Suche war erfolgreich, und ich ergatterte ein Front Of Stage Ticket zu einem wahren Schnäppchenpreis.

Somit fuhr ich also gestern nach Feierabend relativ spontan nach Hamburg in die HSH Nordbank Arena, um Bon Jovi auf dieser Tour nun also noch ein weiteres Mal zu erleben.

Als ich in der Arena ankam, hatte Gianna Nannini bereits begonnen, und ich war ziemlich erstaunt, wie leer der Front Of Stage Bereich im Gegensatz zu Gelsenkirchen war.

Trotz meiner relativ späten Ankunft fand ich ganz ohne jegliche Vordrängelei einen Platz recht nahe vor der Bühne genau in der Bühnenmitte.

Richie Sambora, David Bryan, Jon Bon Jovi, Tico Torres & Hugh McDonald

Neben einer hervorragenden Sicht gab es diesmal also auch ausreichend Bewegungsfreiheit.

Wie schon in Gelsenkirchen begannen Bon Jovi wieder mit "Lost Highway", doch im Laufe des Konzertes warteten noch so einige Änderungen in der Setlist auf mich.

So gab es als Einlagen bei "I'll Sleep When I'm Dead" dieses Mal "Mercy" von Duffy und (für mich natürlich ein wahres Highlight) "Glory Days" von Bruce Springsteen zu hören.

Aber auch einige eher selten gespielte Songs wie "Joey" oder "I Got The Girl" wurden ausgegraben, und als dann noch als erste Zugabe "Living In Sin" erklang, kannte die Begeisterung im Publikum wahrlich keine Grenzen mehr.

Das absolute Highlight für mich war allerdings eine herzzerreißende Version des Leonard Cohen Songs "Hallelujah", bei der ich tatsächlich den Tränen nahe war.

Jon Bon Jovi interpretierte den Song so unglaublich eindringlich als wäre er für ihn geschrieben worden, und die Geigerin sorgte mit ihrem traurigen Spiel für zusätzliche Gänsehaut.

Ich bin somit wirklich froh, dass ich mich spontan dazu entschieden habe, dieses Konzert auch noch zu besuchen, denn das war zweifellos noch mal eine ordentliche Steigerung gegenüber dem bereits sehr guten Konzert in Gelsenkirchen.

Richie Sambora, David Bryan, Jon Bon Jovi & Tico Torres

Besonders Jon Bon Jovi wirkte noch viel besser gelaunt und alberte und poste ausgelassen herum, und dieses Mal gab es während 2 1/2 Stunden sogar stolze 24 Songs zu hören.

Das war zweifellos mal wieder einer dieser Abende, an denen einfach alles perfekt zusammen passt.

Eines habe ich übrigens während dieser beiden Konzerte deutlich gemerkt... Ich brauche unbedingt noch mehr CDs von Bon Jovi, denn da waren doch einige richtig gute Songs dabei, die ich noch nicht kannte.

Meine Fotos aus Hamburg sind bereits in meinem Webalbum zu finden (in Gelsenkirchen hatte ich leider keine Kamera dabei), und die Setlisten beider Konzerte gibt es als Kommentar zu diesem Beitrag.

Montag, 12. Mai 2008

Dickey Betts & Great Southern in der Blues Garage

Als eines der Gründungsmitglieder der Allman Brothers Band schrieb Dickey Betts Musikgeschichte.

Aus seiner Feder stammen Songs wie "Ramblin' Man" und "Blue Sky" sowie die grandiosen Instrumentals "In Memory Of Elizabeth Reed" und natürlich "Jessica".

Gestern spielte diese Legende des Southern Rock mit seiner Band in der Blues Garage in Isernhagen bei Hannover, einem in einem Gewerbegebiet gelegenen kleinen Club mit Platz für nur ca. 400 Besucher... Da kam wirklich regelrecht Wohnzimmeratmosphäre auf.

Andy Aledort, Duane Betts, Dickey Betts & Frankie Lombardi Dickey Betts

Knapp 150 wahrlich schweißtreibende Minuten, unterbrochen von einer ca. halbstündigen Pause, spielten Dickey Betts und seine Band sich und das Publikum regelrecht in Ekstase.

Zur Band gehören als weitere Gitarristen Duane Betts (der Sohn von Dickey Betts) und Andy Aledort, der Bassist Pedro Arévalo, Keyboarder Mike Kach sowie die beiden Drummer Frankie Lombardi und James Varnado.

Der Sound war zwar nicht immer perfekt (gelegentlich waren mal einzelne Instrumente oder auch der Gesang kaum zu hören), und es saß auch nicht unbedingt jeder Ton, aber das ist halt live und dürfte besonders bei einem Rockkonzert wie diesem wohl auch nur absolute Klangfetischisten wirklich gestört haben.

Dickey Betts, Frankie Lombardi, Duane Betts & Pedro Arévalo

Zu hören gab es unter anderem "Statesboro Blues", was als Opener dann auch sogleich die Marschrichtung vorgab, "Blue Sky", "Seven Turns", Hoochie Coochie Man", "Back Where It All Begins" und "One Way Out", ehe dann bei einer nahezu endlosen Version von "In Memory Of Elizabeth Reed" alle Bandmitglieder in langen Soli zeigen konnten, was sie draufhaben, wobei man besonders bei Duane Betts und den beiden Drummern schon fast Angst haben musste, dass diese jeden Moment explodieren.

Wie auch teilweise schon bei einigen Stücken zuvor, meinte man eher einer Jam Session zu lauschen als einem Konzert, es war einfach fantastisch.

Als Zugabe gab es dann später noch das Stück, worauf wohl jeder schon sehnsüchtig gewartet hat... "Jessica"!

Dickey Betts

Es war ein wirklich unglaubliches Gefühl, Dickey Betts aus nächster Nähe beim Spielen dieses legendären Klassikers auf die Finger schauen zu können.

Völlig verschwitzt verließ die Band danach die Bühne und bahnte sich ihren Weg durch das begeisterte und wohl nicht minder verschwitzte Publikum in Richtung Backstage-Raum.

Bevor er dann später endgültig die Blues Garage verließ, gab Dickey Betts noch ein paar Autogramme und signierte dabei unter anderem auch das Booklet meiner "The Official Bootleg" CD.

Dickey Betts - Autogramm

Schöner konnte dieser fantastische Abend wahrlich nicht enden.

Meine Fotos von dem Konzert sowie ein Video von "Jessica" habe ich bereits in mein Webalbum geladen.

Weitere interessante News und Infos über Southern Rock gibt es hier.

Am 11.07.2008 wird sich übrigens eine weitere Legende in der Blues Garage die Ehre geben, nämlich Buddy Guy, einer der wohl besten noch lebenden Bluesgitarristen.

Samstag, 10. Mai 2008

Mark Knopfler

Mark Knopfler braucht keine spektakuläre Show, keinen Pathos und - von der Bandvorstellung einmal abgesehen - auch keine endlosen Ansagen.

Er braucht lediglich seine Gitarren und seine Band, um dem Publikum einen tollen Abend zu bescheren.

Davon konnte ich mich in dieser Woche in Hamburg und Hannover gleich zweimal überzeugen.

Ganz leger gekleidet mit einer ausgebeulten Jeans, einem T-Shirt und einem offenen Hemd darüber trat er jeweils auf die Bühne und machte einfach das, was er am besten kann... Tolle handgemachte Musik!

Mark Knopfler

Dabei ist heutzutage jedoch eher Zuhören als Abrocken angesagt, so dass seine Konzerte mittlerweile vollständig bestuhlt sind und auch die gespielten Songs sich größtenteils im langsameren bis Midtempo Bereich bewegen.

Doch nimmt ihm das etwa wirklich noch jemand übel, wenn er erst einmal die Gitarre zum Klingen gebracht hat und in seinen faszinierenden Soli versinkt?

...Ich glaube kaum.

Neben zahlreichen Songs aus seinen Soloalben (erstaunlicherweise waren darunter jedoch nur zwei Songs des aktuellen Albums) gab es aber auch einige Dire Straits Klassiker zu hören, ohne die ihn wohl auch kein Publikum von der Bühne lassen würde.

Mark Knopfler

Einer davon war natürlich "Sultans Of Swing", dessen Gitarrensoli für mich definitiv zu den absoluten Highlights der Konzerte gehörten.

Leider wurde aber gerade dieser Song in Hannover etwas kürzer gespielt als noch in Hamburg, und Mark Knopfler schien wohl auch leicht erkältet zu sein, denn ein paar Male brach ihm kurz die Stimme weg.

Das Konzert in Hamburg konnte mich rein musikalisch somit doch noch etwas mehr überzeugen, wogegen in Hannover aber der Sound sehr viel ausgewogener war.

Da ich bei beiden Konzerten in der ersten Reihe rechts vor der Bühne saß, waren diese Unterschiede im Sound doch sehr gut vergleichbar.

Insgesamt betrachtet waren aber beide Konzerte Entertainment auf einem ganz hohen Niveau von einem Musiker, bei dem unverkennbar alleine die Musik im Mittelpunkt steht.

Mark Knopfler & Glenn Worf

Seine Band besteht - wie schon auf den letzten Touren - wieder aus Richard Bennett, Guy Fletcher, Danny Cummings, Matt Rollings und Glenn Worf, ergänzt um den fantastischen John McCusker, der besonders mit seinem Flöten- und Geigenspiel für so manche Gänsehaut sorgte.

Wer wie ich auch gerne mal ganz entspannt eher leiseren Klängen lauscht, der ist auf einem Mark Knopfler Konzert bestens aufgehoben, welches andere dagegen vielleicht nur als gepflegte Langeweile empfinden mögen.

Glücklicherweise sind die Geschmäcker aber ja verschieden, und jeder kann für sich selbst entscheiden, ob er sich Mark Knopfler heute noch live anhört oder stattdessen lieber eine alte Dire Straits Scheibe auflegt.

Mark Knopfler - Bühnenbild

Meine Fotos von den beiden Konzerten habe ich bereits in mein Webalbum geladen, und die an beiden Abenden gleiche Setlist gibt es als Kommentar zu diesem Beitrag.

Weitere Fotos, Reviews und Infos zu sämtlichen Konzerten der Tour sind auf dieser sehr empfehlenswerten Website zu finden, und sowohl Guy Fletcher als auch Richard Bennett führen auch in diesem Jahr wieder Tourtagebücher auf ihren Websites, in denen interessante Hintergrundinformationen und Fotos zu finden sind.

Montag, 14. April 2008

Live-Tipp: Gustav Peter Wöhler Band

Gustav Peter Wöhler dürfte den meisten Menschen wohl in erster Linie als Schauspieler bekannt sein, doch er ist auch ein sehr talentierter Entertainer und Sänger.

Davon konnte ich mich nun am vergangenen Freitag im Staatstheater hier in Oldenburg selbst überzeugen.

Zwar besteht das Programm von Wöhler und seiner hervorragenden Band ausnahmslos aus Coverversionen von Songs aus den letzten Jahrzehnten, doch diese Songs werden derartig charmant und lebendig interpretiert, dass sie sich dabei schon nahezu in eigenständige Werke verwandeln.

Cindy Lauper (nach deren Song "True Colors" das aktuelle Programm auch benannt ist), die Beatles, Elvis Presley, Simon & Garfunkel, Van Morrison, Johnny Cash, die Rolling Stones, Nick Drake ("From The Morning" - einfach traumhaft) aber auch Songs von deutschsprachigen Musikern wie Udo Lindenberg, Rio Reiser oder der Band Echt gab es zu hören.

Zwischen Jazz, Pop, Folk, Blues und Chanson war nahezu alles dabei, und sogar eigentlich eher härtere Rocksongs bekamen durch das akustische Arrangement ein völlig neues Klanggewand verpasst.

Bei jedem Ton merkte man deutlich die Spielfreude aber auch den Respekt vor den dargebotenen Songs, zu denen Wöhler nicht selten vorher kurze einführende Geschichten erzählte.

Die Musiker der Band (Kai Fischer am Piano und der Orgel, Hardy Kayser an der akustischen Gitarre und Olaf Casimir am Kontrabass) bekamen während des Konzertes allesamt ausreichend Raum für aufregende Soli bei denen sich Wöhler immer wieder respektvoll in den Hintergrund zurückzog.

Wenn er jedoch selbst im Mittelpunkt stand, dann tat er das auch richtig.

Tänzelnd, hüpfend oder auch stampfend bewegte sich dieser kleine, etwas dickliche Mann über die große Theaterbühne, schwang sein Bein auf das Piano, ließ ein unglaubliches Mienenspiel von höchster Freude bis hin zu tiefster Verzweiflung vom Stapel und bewies damit auch während des Konzertes immer wieder sein schauspielerisches Können.

Ob nun Theater oder Musik, Gustav Peter Wöhler gehört einfach auf die Bühne und fühlt sich dort auch ohne Zweifel pudelwohl.

Dass er aber auch sich selbst dabei nicht immer allzu ernst nimmt, bewies er beispielsweise bei dem Song "Short People" von Randy Newman, den er hinter einem auf Minimalhöhe heruntergeschraubten Mikrofonständer auf der Bühne kniend zum Besten gab, wodurch er sich mit mir plötzlich fast auf Augenhöhe befand, denn ich saß in der ersten Reihe direkt vor eben diesem Mikrofonständer.

Später bastelte er sich dann aus seinen Schal eine Art Turban und sang so "verkleidet" eine orientalisch angehauchte Version des Cat Stevens Songs "Moonshadow", was zwar anfangs durchaus amüsant wirkte, den Song an sich aber dennoch nie ins Lächerliche zog.

Gleich mehrere Male mussten Wöhler und seine Band für Zugaben zurück auf die Bühne kommen, da der Jubel des Publikums einfach nicht abnehmen wollte.

Das gesamte Theater feierte die vier Herren - völlig zu Recht - mit Standing Ovations, und als sie dann tatsächlich nach einer letzten, kurzen Zugabe endgültig die Bühne verließen, konnte ich kaum glauben, dass seit Beginn des Konzertes bereits fast 3 Stunden (inkl. einer ca. 20 minütigen Pause) vergangen waren.

Es war ein wirklich kurzweiliger und in jeder Hinsicht unterhaltsamer Abend der seinen abschließenden Höhepunkt darin fand, dass Gustav Peter Wöhler noch bereitwillig am Verkaufsstand Autogramme gab und dabei auch dem ein oder anderen Smalltalk nicht abgeneigt war.

Schön, dass es noch derartig bodenständige und freundliche Künstler gibt, bei denen man jederzeit spürt, dass sie das, was sie tun, auch aus Freude und Überzeugung tun.

Die aktuelle Tour dauert übrigens noch an, und ich kann den Besuch eines der Konzerte nur empfehlen, denn das ist wirklich Entertainment auf einem ganz hohen Niveau mit Wohlfühlgarantie.

Montag, 10. März 2008

Gary Moore live in Bremen

Gestern war es endlich so weit... Gary Moore spielte im Aladin in Bremen ein sehr stimmiges aber leider zu kurzes Konzert.

Im Vorprogramm trat Otis Taylor auf, dessen Musik mir auf CD zumindest teilweise gar nicht so schlecht gefällt, doch sein gestriger Auftritt löste wirklich sehr zwiespältige Gefühle in mir aus.

Ich bin mir noch immer nicht ganz sicher, ob das nun einfach die extremste mir bisher untergekommene Art von Blues war oder doch das schlechteste Vorprogramm, welches ich je erlebt habe.

Otis Taylor spielte solo, sitzend, und begleitete seinen Gesang mit Gitarren und Banjo, wobei er den Klang der Instrumente meist mit Echo-Effekten verfremdete und dadurch einen sehr monotonen, gespenstischen und irgendwie schon fast verstörenden Sound erzeugte.

Zwischen den Stücken war ich mir manches Mal nicht einmal sicher, ob er nun sein Instrument stimmt, oder ob das bereits ein neues Stück sein soll.

Ein wirklich sehr seltsamer Auftritt, der aber auf irgendeine Weise auch durchaus eine gewisse Faszination bei mir auslöste.

Nachdem dieser Teil des Abends nebst der obligatorischen Umbaupause überstanden war, betrat Gary Moore mit seiner Band die Bühne und legte auch gleich ordentlich los.

Das Gleichgewicht zwischen schnelleren Rocksongs und eher langsamem Blues war nahezu perfekt, und natürlich gab Gary Moore auch zahlreiche seiner grandiosen Gitarrensoli zum Besten, welche vom Publikum stets euphorisch mit Applaus bedacht wurden.

Sein nahezu schmerzverzerrter Gesichtsausdruck während dieser Soli war oftmals schon fast beängstigend, doch ganz offensichtlich ist das nur ein Zeichen dafür, wie sehr dieser Mann in der Musik versinkt.

Sam Kelly, Gary Moore & Pete Rees

Neben eigenen Songs von Gary Moore gab es natürlich auch Songs anderer Bluesmusiker zu hören, und auch einige neue Songs schafften es in das Set, welche bereits auf ein sehr interessantes und erneut stark blueslastiges neues Album hoffen lassen.

Als gegen Ende des Konzertes dann "Still Got The Blues" begann, hatte ich schon fast Tränen in den Augen, da ich diesen Song einfach wunderschön finde und er zudem auch einer der Songs ist, durch die ich die Musik von Gary Moore seinerzeit für mich entdeckte.

Nach nur knapp 90 Minuten war mit "The Blues Is Alright" in einer meiner Meinung nach doch etwas zu langen Version mit Otis Taylor und einem Gastgitarristen das Konzert dann auch bereits vorbei, wobei ich irgendwie das Gefühl hatte, dass da noch etwas fehlte.

Ein eher ruhiger Song zum Runterkommen hätte als Abschluss sicherlich besser gepasst, aber insgesamt betrachtet war es ein doch sehr mitreißendes Konzert.

Einige Fotos des Konzertes habe ich bereits in mein Webalbum geladen, und die Setlist gibt es als Kommentar zu diesem Beitrag.

Aktuelle Infos und Setlisten weiterer Gary Moore Konzerte sind übrigens auf dieser sehr liebevoll aufgemachten Website zu finden.

Dienstag, 4. März 2008

Willy DeVille - Coolness in Person!

Vor einiger Zeit empfahl mir jemand die Musik von Willy DeVille bzw. seiner früheren Band Mink DeVille und machte mich in Form von ein paar seiner CDs auch gleich richtig heiß darauf.

Mittlerweile habe ich mir nun nicht nur bereits so einige CDs und DVDs von Willy DeVille gegönnt, sondern ihn und seine aktuelle Mink DeVille Band am vergangenen Mittwoch im Pier 2 in Bremen auch erstmals live erlebt.

Das Vorprogramm in Form von Steve Gibbons, solo mit Gitarre und Harp, war zwar durchaus angenehm anzuhören, passte aufgrund all seiner Schlichtheit meiner Meinung nach aber nicht unbedingt zu dem elektrisierenden Stilmix den Willy DeVille und seine Band dann später darboten.

Im Gegensatz zu den mir bekannten DVDs und Videos der letzten Jahre wirkt Willy DeVille mittlerweile überraschenderweise wieder erstaunlich fit, und so spielte er auch verhältnismäßig wenige (aber doch immer noch recht viele) Songs sitzend.

Die Bühnenpräsenz dieses Mannes ist ja bereits auf DVD schier unglaublich, doch wenn er dann plötzlich leibhaftig vor einem steht oder auch sitzt, ist das wahrlich noch eine Steigerung.

...Was für eine "coole Sau"!

Boris Kinberg, Willy DeVille & Bob Curiano

Gut 90 Minuten lang gab es eine faszinierende Mixtur aus Rock, Latin, Blues, Cajun und Soul zu hören, die man nur schwer in Worte fassen kann.

Neben leider nur sehr wenigen Songs des brandneuen Albums "Pistola" gab es natürlich auch Klassiker wie z.B. "Spanish Stroll", "Demasiado Corazon" und "Italien Shoes", und so herzzerreißend wie Willy DeVille hat wohl noch niemand zuvor "Heartbreak Hotel" gesungen.

Das absolute Highlight des Konzertes war für mich jedoch die letzte Zugabe, eine akustische Gänsehaut-Version von "Let It Be Me" bei der Willy DeVille lediglich von seinem Pianisten begleitet wurde.

Ein Video davon sowie einige meiner Fotos des Konzertes sind bereits in meinem Webalbum zu finden.

Wenn Willy DeVille und seine Band im Sommer 2008 erneut in Deutschland spielen, bin ich auf jeden Fall wieder dabei.

Montag, 11. Februar 2008

Chris Rea kann es (zum Glück) einfach nicht lassen...

Es ist noch gar nicht allzu lange her, dass Chris Rea sich auf seine Farewell Tour 2006 mit dem vielsagenden Titel "The Road To Hell And Back" begab, doch der Abschied sollte nicht lange währen, denn in diesen Tagen ist er bereits wieder unterwegs.

Chris Rea - EarBook Cover

Erst am vergangenen Freitag erschien das neue EarBook von Chris Rea mit The Delmonts und The Hofner Bluenotes, seinen beiden "fiktiven" neuen Bands, welche jedoch aus exakt denselben Musikern bestehen.

Diese sind neben Chris Rea selbst seine langjährigen Begleiter Robert Ahwai (Gitarre) und Martin Ditcham (Drums), sowie die Neuzugänge Neil Drinkwater (Keyboard) und Colin Hodgkinson (Bass).

Das EarBook überzeugt sowohl durch eine sehr ansprechende Optik als auch eine wirklich opulente Aufmachung.

Neben insgesamt 3 CDs mit neuer Musik (1 CD von The Delmonts und 2 CDs von The Hofner Bluenotes im Vinyl-Look) enthält es noch zwei Vinylplatten, auf denen nochmals der komplette Inhalt der The Delmonts CD enthalten ist, so dass der Hörer wählen kann, ob er den darauf zu hörenden Retrosound lieber digital oder ganz stilecht analog anhören möchte.

Chris Rea - EarBook Inhalt

Musikalisch geht es bei The Delmonts ausschließlich instrumental zur Sache, wobei man sich nicht selten an den Pulp Fiction Soundtrack erinnert fühlt.

The Hofner Bluenotes bieten dagegen dann wieder eher bluesigere Töne, wie man sie ja bereits von den letzten Alben von Chris Rea kennt.

Zusätzlich zu den Tonträgern gibt es in dem EarBook aber auf 80 Seiten auch noch so einiges zu lesen (die fiktive Geschichte der Bands) und anzuschauen (interessante Fotos und neue Gemälde von Chris Rea, wie man sie bereits aus dem "Blue Guitars" EarBook kennt).

Alles in allem ist dieses EarBook ein wirklich rundum gelungenes Paket, dem man auch sofort anmerkt, wieviel Spaß die Beteiligten sowohl musikalisch als auch gestalterisch daran hatten.

Die aktuelle Tour läuft dann auch ganz im Zeichen des EarBooks unter dem Motto "Chris Rea presents the Return of The Fabulous Hofner Bluenotes Tour 2008 with Special Guests The Delmonts".

Beim gestrigen Konzert in Hamburg war auch ich dabei und kann nun auf einen rundum gelungenen Abend zurückblicken.

Gleich nach dem Betreten des großen Saals der wunderschönen Laeiszhalle (Musikhalle) fiel sofort das tolle Bühnenbild ins Auge, welches aus einem riesigen Vorhang mit typischen Gitarrengemälden von Chris Rea bestand, wovor zahlreiche echte Gitarren aus verschiedenen Jahrzehnten aufgehängt waren, was der Bühne einen sehr plastischen Eindruck verlieh und keinerlei Zweifel daran offen ließ, welches Instrument bei Chris Rea im Vordergrund steht.

Chris Rea - Bühnenbild

Ähnlich wie das EarBook bestand auch das Konzert aus zwei Teilen.

Es begann mit einem gut 30 minütigen Auftritt als The Delmonts, wobei der scharfe Instrumentalsound dieser Tracks doch so einige Besucher merklich überrascht hat, denn eine solche Musik ist sicherlich nicht unbedingt das, was man von Chris Rea nach seinen sehr bluesorientierten letzten Alben erwartet hätte.

Da das neue EarBook zudem noch recht frisch ist, haben viele es wohl vor dem Konzert noch nicht gehört und bekamen nun statt des wahrscheinlich erwarteten Blues / Pop doch gänzlich andere Töne zu hören, welche mich persönlich jedoch wirklich rundum überzeugen konnten, und auch einmal mehr bewiesen, dass Chris Rea noch immer unberechenbar ist.

Nachdem die Herren ihr eigenes Vorprogramm absolviert hatten, wechselte Chris Rea kurz sein The Delmonts T-Shirt gegen ein Muskel-Shirt seines Labels Jazzee Blue, und es ging direkt weiter mit The Hofner Bluenotes.

Chris Rea Chris Rea & Colin Hodgkinson

Dieser Teil des Konzertes erinnerte nicht selten an die letzte Tour, doch da mir diese bereits sehr gut gefiel und ich es alleine schon genieße, Chris Rea beim Spielen der Gitarre zuzusehen, empfand ich das überhaupt nicht als negativ.

Natürlich gab es auch wieder einige der unvermeidlichen Hits im ebenfalls von der letzten Tour bekannten "neuen" Gewand zu hören, was zumindest bei denjenigen, die bei der letzten Tour nicht dabei waren, zu so manchem Überraschungsmoment geführt haben dürfte.

Neil Drinkwater, Robert Ahwai, Martin Ditcham, Chris Rea & Colin Hodgkinson

Von der Popmusik, mit der er einst mal erfolgreich wurde, hat sich Chris Rea mittlerweile jedenfalls fast gänzlich verabschiedet, und betrachtet man sich einmal seine sicherlich eher unkonventionellen letzten Veröffentlichungen, so entsteht auch durchaus der Eindruck, dass ihn sämtliche kommerziellen Aspekte des Musikbusiness überhaupt nicht mehr interessieren.

Zu beweisen hat er sich sicherlich nichts mehr, und führt man sich einmal vor Augen, dass seine Konzerte nach wie vor meist ausverkauft sind, so scheint dieses Konzept auch durchaus aufzugehen.

In Hamburg waren vor der Laeiszhalle jedenfalls noch so einige Leute auf der Suche nach einem Ticket und auch dazu bereit, hohe Beträge dafür zu zahlen.

Ich wünsche Chris Rea wirklich von ganzem Herzen, dass seine Gesundheit auch weiterhin so stabil bleibt wie bisher, und dass er uns noch viele Jahre mit seiner tollen Musik und ebenso tollen Konzerten erfreuen wird.

Weitere Fotos, die ich während des Konzertes aufgenommen habe, sowie ein Video von "On The Beach" sind in meinem Webalbum zu finden.

Die komplette Setlist beider Teile des Konzertes gibt es für alle Neugierigen als Kommentar zu diesem Beitrag.

Mittwoch, 26. Dezember 2007

Rockin' Dezember mit Bruce und Blues

Nun ist das Jahr 2007 also auch schon fast wieder vorbei, aber zumindest für mich hat der Dezember noch einmal (bzw. eigentlich sogar dreimal) ordentlich gerockt.

Am 02. Dezember machte ich mich auf den langen Weg nach Mannheim, wo am Abend in der SAP Arena das erste von zwei Deutschland Konzerten von Bruce Springsteen und seiner E Street Band stattfinden sollte.

Bereits Ende November wurde bekannt, dass Danny Federici, immerhin eines der Urgesteine der Band, in Europa aufgrund einer Hautkrebstherapie nicht dabei sein kann und stattdessen Charles Giordano von der Seeger Sessions Band mit auf der Bühne stehen wird, was auch sicherlich nicht nur bei mir so einige Skepsis hervorrief... Würde es trotzdem dasselbe sein?

Das Wetter und die Verkehrslage waren nicht gerade auf meiner Seite, und als ich gegen 17:00 Uhr an der Arena ankam, peitschte ein ordentlicher Wind den Regen quer durch die bereits an den Eingängen wartenden Massen.

Ich beschloss deshalb, die Zeit bis zum Einlass doch lieber im Parkhaus im verhältnismäßig warmen Auto zu verbringen.

Als ich mich dann gegen kurz nach 18:00 Uhr wieder vor die Arena begab, hatte der Einlass bereits begonnen, und die Schlange der Wartenden war bereits merklich geschrumpft.

Für einen Platz im Pit-Bereich direkt vor der Bühne hat es natürlich nicht mehr gereicht, doch in Anbetracht des relativ übersichtlichen Innenraums der SAP Arena hätte ich mich auch mit einem Platz an deren hinterem Ende zufrieden gegeben.

Letztendlich fand ich aber einen Platz rechts ca. in der Mitte der Arena, von welchem aus ich einen nahezu ungestörten Blick auf die Bühne hatte.

Seltsamerweise sprang der Funke bei mir an diesem Abend allerdings nicht sofort über, als nach einem kurzen Orgel-Intro mit "Radio Nowhere" das Konzert begann.

Die gute Stimmung war zwar durchaus von Anfang an da, aber irgendetwas fehlte, und ich kann auch bis heute nicht wirklich sagen, was genau das nun war.

Erst nach den ersten Songs packte mich das gewohnte E Street Band Fieber dann wieder so, wie ich es von zurückliegenden Konzerten gewohnt war, und eine angenehme Euphorie überkam mich.

Spätestens bei der unglaublich packenden Version von "Reason To Believe" dürfte wohl auch dem letzten Zweifler in der Arena klar geworden sein, dass diese Band die Musik nicht nur spielt sondern sie wirklich lebt.

Auch Charles Giordano fügte sich nahezu perfekt in die bereits seit vielen Jahren zusammen spielende Band ein und machte damit (leider) deutlich, dass auch Danny Federici doch irgendwie ersetzbar ist, zumindest was das Musikalische angeht.

Was jedoch den menschlichen Faktor angeht, wird ein Danny Federici in der E Street Band aber wohl niemals wirklich zu ersetzen sein.

Neben zahlreichen Songs des aktuellen "Magic" Albums wurden natürlich auch wieder viele der älteren Songs gespielt, welche immer wieder zu großen Begeisterungsstürmen in der Arena führten.

Neben unverwüstlichen Klassikern wie "No Surrender", "Badlands" und "Born To Run" waren das an diesem Abend z.B. auch eher selten gespielte Perlen wie "Jackson Cage", "Working On The Highway" oder "Tunnel Of Love".

Als im Zugabenblock dann jedoch auch noch "Santa Claus Is Coming To Town" folgte, war die Arena endgültig am kochen, denn diesen Song hat man hierzulande nun schon sehr lange nicht mehr hören dürfen.

Nach dem Konzert machte ich mich begeistert wieder auf den Heimweg, welcher sogar noch anstrengender war als der Hinweg, denn extrem starker Wind und gewaltige Regengüsse sorgten fast die gesamte Strecke über für schlechte Sicht und eine ständige Rutschgefahr, was bei einer Strecke von immerhin über 500 km wahrlich nicht sonderlich angenehm ist.

Die schönen Erinnerungen an das zuvor erlebte Konzert ließen aber auch diese Strapazen relativ erträglich werden.

Am 13. Dezember machte ich mich dann ein weiteres Mal auf die Reise zu einem Konzert von Bruce Springsteen und der E Street Band, dieses Mal nach Köln in die Kölnarena.

Schon die Hinfahrt war sehr viel angenehmer als die nach Mannheim, und auch die Parkplatzsuche erwies sich dank der guten Ausschilderung rund um die Arena als erstaunlich stessfrei.

Weniger schön war jedoch der dichte Verkehr im Kölner Ring, welcher auch dazu führte, dass ich erst relativ spät die Arena erreichte.

In der Arena angekommen war ich jedoch stark überrascht, denn ich hatte diese sehr viel größer in Erinnerung.

Somit ergatterte ich trotz meiner späten Ankunft einen Platz nur wenige Meter hinter dem Pit-Bereich, welcher sich von der Sicht her im Laufe des Abends als absolut perfekt erweisen sollte und mir den wohl besten Blick über die gesamte Bühnenbreite ermöglichte, den ich je bei einem Bruce Springsteen Konzert hatte.

Schon von Anfang an, sogar noch bevor das Konzert überhaupt begonnen hatte, war an diesem Abend bereits der Funke auf mich übergesprungen, welcher mich in Mannheim ja leider erst nach den ersten Songs so richtig erreicht hatte.

Irgendwie war mir sofort klar, dass dieser Abend wirklich magisch werden würde, und ich sollte Recht behalten.

Als direkt nach dem grandiosen "Reason To Believe" die ersten Klänge von "Because The Night" erklangen, hatte ich wirklich Angst, dass das Dach der Arena wegfliegen würde.

Eine solche Stimmung habe ich wirklich nie zuvor bei einem Konzert erlebt... Der Refrain erklang aus tausenden Kehlen, jeder im Publikum schien für einen Moment lang ein Teil der E Street Band zu sein, und Nils Lofgren drohte während seines absolut wahnsinnigen Gitarrensolos vor lauter Energie sogar schon fast zu explodieren.

Was alleine während dieses Songs in der Arena geschah, kann man nicht wirklich in Worte fassen, das muss man einfach selbst erlebt haben, und wäre das Konzert nach diesem Highlight bereits vorbei gewesen, wäre es wohl trotzdem zweifellos eines der besten gewesen, welche ich je gesehen habe.

Später kehrte mit "Waitin' On A Sunny Day" einer der Stimmungsmacher der "The Rising" Tour zurück, welcher dieses Mal jedoch deutlich straffer und von jeglichem Ballast befreit gespielt wurde, was sowohl dem Song als auch der Stimmung sehr zugute kam.

Direkt danach folgte dann der zweite überlebensgroße Moment des Abends für mich... "The River".

Schon seit vielen Jahren liebe ich diesen Song, und es war schon lange mein Traum, ihn endlich einmal in der Band-Version zu erleben.

Heute sollte dieser Traum nun also tatsächlich in Erfüllung gehen, und ein Gefühl von vollkommener Begeisterung paarte sich mit einer doch merklich zugeschnürten Kehle.

Eine derartige Gänsehaut hatte ich wohl zuletzt, als ich auf der "Devils & Dust" Tour in Hamburg genau diesen Song im Doppelpack mit "Tougher Than The Rest" in einer einfach wunderschönen Piano-Version erleben durfte.

Die nächste Überraschung kam dann mit "Kitty's Back", welches unglaublich druckvoll und energiegeladen gespielt wurde und den Bandmitgliedern auch viel Raum für ihre Soli ließ, wovon besonders Charles Giordano profitieren sollte, der dem Publikum erneut eindrucksvoll beweisen konnte, wie gut er sich doch in diese perfekt aufeinander eingespielte Band einzufügen vermag.

Sollte irgendjemand mal, aus welchen Gründen auch immer, in die zumindest bandhistorisch betrachtet undankbare Situation kommen, Danny Federici dauerhaft in der E Street Band ersetzen zu müssen, dann dürfte Charles Giordano wohl die beste Wahl für diese Aufgabe sein.

Nach einem schweißtreibenden "American Land" schien das Konzert dann auch endgültig vorbei zu sein, denn nicht nur das Publikum war nun völlig erschöpft, auch Bruce Springsteen selbst ließ sich einfach rückwärts auf die Bühne fallen und blieb dort auch einige Zeit so liegen, ehe er umringt von seiner Band wieder auf die Beine kam und direkt weiter rockte.

Auch heute kam "Santa Claus" also wieder in die Stadt und mit ihm, wie bei Bruce Springsteen Konzerten in Köln üblich und von vielen wohl mehr oder weniger wohlwollend erwartet/befürchtet, Wolfgang Niedecken, welcher dieses Mal jedoch sehr zurückhaltend agierte und somit selbst diejenigen kaum gestört haben dürfte, die ihn aus welchen Gründen auch immer einfach nicht mögen (wollen).

Alleine der Anblick von "Big Man" Clarence Clemons mit einer Santa-Mütze auf dem Kopf war schon wirklich klasse, aber als sich dann auch noch Bruce Springsteen selbst eine solche Mütze aufsetzte und durch einige schnelle Kopfbewegungen deren Bommel in rasende Rotation versetzte, erreichte die Stimmung in der Arena einen weiteren und leider auch letzten Höhepunkt.

Ich habe Bruce Springsteen nun schon zahlreiche Male live erlebt, sowohl solo als auch mit der Seeger Sessions Band und natürlich der E Street Band, aber dieser Abend in Köln war zweifellos, und da dürfte mir wohl wirklich jeder Besucher zustimmen, etwas ganz Besonderes.

An diesem Abend fügten sich viele kleinere Faktoren zu einem ganz großen Ganzen zusammen, was wohl keiner so schnell vergessen wird, der hier dabei sein durfte.

Beide Konzerte waren zwar etwas kürzer als man es normalerweise von Bruce Springsteen (gerade mit der E Street Band) gewohnt ist, dafür waren es aber auch richtig druckvolle, straffe Rockkonzerte ohne jegliche unnütze Längen.

Eine ausführliche Bandvorstellung ist sicherlich für viele eine nette Sache, nimmt einem Konzert aber doch vielleicht auch irgendwie etwas den Drive.

In diesem Jahr wurde die Band nur kurz und knapp am Ende des Konzertes vorgestellt, ansonsten folgte einfach Song auf Song.

Wer ein nicht selbst erlebtes Konzert nur aufgrund der Setlist und der Länge beurteilen möchte, der kann das gerne tun, aber dass die Länge nun einmal nicht alles ist, das ist ja bereits aus anderen Bereichen des täglichen Lebens bekannt.

Die kompletten Setlisten beider Konzerte gibt es für alle Neugierigen aber dennoch als Kommentar zu diesem Beitrag.

Nach diesen beiden fantastischen Bruce Springsteen Konzerten folgte am 21. Dezember noch ein Blues Konzert in heimatlichen Gefilden.

Die Hamburg Blues Band sollte mit Chris Farlowe und Clem Clempson in Charly's Musikkneipe in Oldenburg spielen.

Der Name Hamburg Blues Band wird vielen sicherlich nicht unbedingt ein Begriff sein, doch bei deren Mitgliedern handelt es sich ausnahmslos um hochkarätige deutsche Rockmusiker.

Drummer Hans Wallbaum spielte so z.B. bereits für Westernhagen und Chuck Berry, und Bassist Michael Becker spielt neben der Hamburg Blues Band auch noch bei Lake, genauso wie auch der Gitarrist der Band, der grandiose Alex Conti.

Früher war auch noch Dick Heckstall-Smith, der ehemalige Colosseum und Bluesbreakers Saxophonist, Mitglied der Band, welcher jedoch leider 2004 verstarb.

Bereits vor Konzertbeginn wurde meine gute Laune etwas gedämpft, da bekannt wurde, dass Chris Farlowe aus Krankheitsgründen nicht auftreten würde.

Dafür wurde aber ein Teil des Ticketpreises erstattet, welcher dann auch sogleich in ein stimmungsförderndes Bier umgesetzt wurde.

Als die Band später auf die Bühne kam, rockte sie gleich ordentlich drauf los, und wie schon so einige Male zuvor war ich von dem tollen Sound in diesem relativ kleinen Laden überrascht.

Ich stand direkt vor der Bühne, und beim Anblick der über die Gitarrensaiten flitzenden Finger von Alex Conti wurde mir manches Mal fast schwindelig.

Was dieser Mann aus seiner Gitarre zaubert ist wirklich unglaublich, und er gehört sicherlich zu Recht zu den besten deutschen Gitarristen.

Als wäre das aber noch nicht genug, kam etwas später aber auch noch Clem Clempson mit auf die Bühne, welcher vielen als Gitarrist von Colosseum und Humble Pie bekannt sein dürfte, und danach gab es nun auch endgültig kein Halten mehr.

Clem Clempson und Gert Lange, die "Monster-Röhre" der Hamburg Blues Band, wechselten sich mit dem Gesang ab, Clem Clempson und Alex Conti gaben sich wahnwitzige Gitarrenduelle, und das hervorragende Slide-Spiel von Clem Clempson bereicherte den ansonsten eher derben Sound der Band um ein paar schon nahezu filigrane Nuancen.

Auf das kommende gemeinsame Album der Hamburg Blues Band und Clem Clempson darf man wirklich mehr als gespannt sein.

Als das Konzert nach energiegeladenen knapp 3 Stunden vorbei war, hatten die meisten Besucher wohl schon fast vergessen, dass da ja eigentlich auch noch Chris Farlowe mit auf der Bühne stehen sollte.

Die Band versprach jedoch, den gemeinsamen Auftritt mit Chris Farlowe bald nachzuholen, und den lasse ich mir auch sicherlich nicht entgehen.

Bei der Energie, die die Hamburg Blues Band nun bereits mit Clem Clempson freisetzte, dürfte wohl endgültig die Luft brennen, wenn sich auch noch Chris Farlowe dazugesellt.

Das war er also, mein "Rockin' Dezember mit Bruce und Blues", in zwei großen Arenen in der Ferne und einer gemütlichen Kneipe in der Heimat.

Dienstag, 3. Juli 2007

Genesis - Tag 2 (Düsseldorf Diaries, Part 3)

Dem tollen Genesis Konzert vom Vortag sollte heute nun also noch ein weiteres folgen.

Nach einer noch kürzeren Nacht als der zuvor checkte ich nach einem ordentlichen Frühstück erst einmal aus dem Hotel aus, denn diesmal wollte ich noch in der Nacht wieder zurück nach Oldenburg fahren.

Die Altstadt kannte ich mittlerweile ja bereits, so dass ich mich nun den Einkaufsstraßen widmete, welche mir aber größtenteils nicht besonders gut gefielen.

Am Vortag erblickte ich auf dem Weg zur LTU Arena jedoch den Aquazoo und entschied nun spontan, dort doch einfach einmal hinzufahren.

Wenn man sich für Tiere und die Erdgeschichte interessiert, kann man sich dort wirklich stundenlang aufhalten, und genau das tat ich dann auch.

Neben lebenden Land- und Wassertieren gibt es während des Rundgangs auch zahlreiche Texttafeln, Bilder und Diagramme zu den verschiedenen Themenbereichen zu erkunden... Ein wirklich angenehmer und lehrreicher Zeitvertreib.

Nach einigen Stunden im Aquazoo wurde es dann aber auch schon wieder Zeit, zur LTU Arena zu fahren.

Nachdem ich am Vortag bereits recht weit vorne stand, wollte ich dieses Mal bewusst weiter hinten stehen, so dass ich auch erst kurz vor dem Einlass an der Arena ankam.

Seltsamerweise war die Schlange vor dem Eingang jedoch trotz dieser späten Zeit kürzer als erwartet.

Erneut begann der Einlass recht pünktlich, und diesmal verlief er auch sehr schnell und völlig stressfrei.

Wurden am Vortag noch sämtliche Besucher von oben bis unten gründlich abgetastet, so musste man nun lediglich seine Eintrittskarte vorzeigen, und schon war man drin.

Im Innenraum angekommen, begab ich mich gleich in den mittleren der drei Innenraumbereiche, woraufhin ich sofort von einem etwas verwunderten Ordner darauf hingewiesen wurde, dass ich auch noch nach ganz vorne gehen könne, wo ich ja bereits am Vortag stand.

Genesis Innenraumband vom 27.06.2007

Dieses Mal wollte ich jedoch von weiter hinten einen schönen Überblick über die gesamte Bühnenbreite haben und platzierte mich somit in diesem Bereich ganz hinten mittig vor dem Graben für eine der Kameras, denn das Konzert wurde live in ausgewählte Kinos in England, Irland, Spanien und Schweden übertragen... Also wirklich im wahrsten Sinne des Wortes eine "Cinema Show".

Nun war erstmal eine längere Wartezeit angesagt, denn diesen Spitzenplatz wollte ich keinesfalls wieder hergeben.

Da ich nach dem Konzert noch mit dem Auto zurück nach Oldenburg fahren wollte, hatte ich diesmal auch kein Bier getrunken, so dass die Wartezeit aber ziemlich stressfrei und dank einiger kleiner Spiele auf dem Handy auch recht kurzweilig verlief.

Wie schon am Vortag begannen Genesis um ca. 20:15 Uhr mit ihrem nach wie vor unveränderten Set und heizten der Menge erneut sofort ordentlich ein.

Besonders Phil Collins war sogar noch spürbar besser gelaunt und ließ es sich auch nicht nehmen, das Publikum in seinen Ansagen des Öfteren auf die Kinoübertragung hinzuweisen.

Beim "Domino Principle" wurden die Kinozuschauer sogar mit eingebunden, auch wenn man in der Arena natürlich nicht sehen konnte, ob diese ihren Part denn auch gewissenhaft erfüllten.

In meinen Augen war jedenfalls das gesamte Konzert noch deutlich besser als das am Vortag, woran auch der sicherlich recht ärgerliche Ausfall der Hauptleinwand ausgerechnet bei "In The Cage" nichts ändern konnte, welcher jedoch gekonnt überspielt wurde.

Das lag zum einen daran, dass die gesamte Band merklich engagierter bei der Sache war und bei manchen Songs noch druckvoller spielte als am Vortag, aber auch an den äußeren Umständen.

Nur sehr selten kamen diesmal Getränkeverkäufer vorbei, die auch nicht durch die Gegend brüllten, es wurde in meiner Umgebung während der Songs so gut wie gar nicht gesprochen, und die Sicht auf die Bühne war einfach perfekt.

Einerseits konnte ich zwar die Band noch ziemlich gut erkennen, hatte aber andererseits auch den erhofften Überblick über die gesamte Bühnenbreite, um die Bühnenshow richtig genießen zu können, denn das ist bei einer derartig großen Bühne von zu weit vorne einfach nicht wirklich möglich.

Somit konnte ich mich vom Anfang bis zum Ende vollends auf die Musik und die Show konzentrieren, was ich so bei einem Stehplatz im Innenraum schon lange nicht mehr erleben durfte.

Sogar die wenigen Leute in meinem Umkreis, die bereits vor den Zugaben den Innenraum verlassen wollten, taten dies derartig rücksichtsvoll und schnell, dass es eigentlich niemanden wirklich gestört haben dürfte.

Auch wenn das jetzt vielleicht nicht so klingen mag, war die Stimmung aber trotzdem richtig gut... Ich war also keinesfalls von einer Horde regungsloser Langweiler umgeben.

Für mich war dieses Konzert das letzte auf dieser Tour, und perfekter hätte der Abschluss wohl kaum sein können.

In meinem Webalbum befinden sich bereits einige Videos von dem Konzert.

Nach dem Konzert ging ich noch zum Merchandising und gab mich einem kleinen Kaufrausch hin, ehe ich mich dann in Richtung Bahn begab, denn mein Auto hatte ich aufgrund der mir von früheren Konzerten bereits bekannten Verkehrssituation im Umkreis der Arena doch lieber beim Hotel stehen lassen.

Endlich beim Auto angekommen, machte ich mich auch sogleich auf den mehrstündigen Heimweg, den Kopf voller schöner Erinnerungen an die erlebnisreichen Tage in Düsseldorf.

...Und damit endet nun auch der finale Part 3 der "Düsseldorf Diaries".

Samstag, 30. Juni 2007

Genesis - Tag 1 (Düsseldorf Diaries, Part 2)

Obwohl ich am Vorabend erst recht spät ins Bett gekommen bin (siehe hier), klingelte mich der Wecker am Dienstagmorgen bereits recht früh wieder aus den schönsten Träumen.

Nach dem Frühstück im Hotel ging es erneut in die Altstadt, wo ich mir noch ein paar Sehenswürdigkeiten anschauen wollte, doch da es draußen recht stürmisch war, gab ich dieses Unterfangen recht schnell wieder auf und begab mich stattdessen in das Filmmuseum, welches ich gerade entdeckt hatte.

Für einen großen Filmfreund wie mich natürlich ein perfekter Ort, um sich die Zeit zu vertreiben.

Filmgeschichte, Tricks der Filmemacher, echte Kostüme und Requisiten, ein kleiner Studionachbau... Alles was das Herz begehrt und auf jeden Fall eine Empfehlung für filmbegeisterte Düsseldorf-Besucher.

Nach einem mehrstündigen Aufenthalt im Filmmuseum ging es dann erstmal zur Stärkung in ein China-Restaurant, ehe ich mich zur Bahn Richtung LTU Arena begab, denn dort sollten am Abend schließlich Genesis spielen, und dieses Mal wollte ich relativ weit vorne stehen.

Auf dem Weg zur Bahnstation entdeckte ich eher zufällig in einer Kneipe namens "Engel" noch ein Poster für eine dort nach dem Genesis Konzert stattfindende After-Show-Party, bei der u.a. auch die deutsche Coverband The Path of Genesis spielen sollte, das Ganze sogar bei freiem Eintritt.

Somit war der Rest des Abends nun also auch schon mal verplant.

Gegen ca. 16:00 Uhr kam ich bei der LTU Arena an und fand eine bereits recht ordentliche Menschenschlange am Eingang zum Innenraum vor, bei deren Anblick ich vor meinem geistigen Auge meinen Platz vorne in immer weitere Ferne schweben sah.

Relativ pünktlich begann dann um kurz nach 17:00 Uhr der Einlass, ein allerdings wirklich katastrophaler Einlass...

Derartig strenge Kontrollen habe ich selten zuvor erlebt, und die Ordner schienen noch dazu völlig unkoordiniert und überfordert.

In der Schleuse neben mir staute es sich, weil gerade keine Frau zugegen war, um die dort vorne stehende Frau abzutasten, die irgendwann sogar sagte, dass sie sich auch gerne von einem Mann abtasten ließe, wenn sie denn nur endlich rein käme.

Es war wirklich unfassbar!

Nachdem ich den Einlass dann endlich hinter mich gebracht hatte, begab ich mich schnell Richtung Innenraum, welcher entgegen meinen Erwartungen aber sogar noch relativ leer war, so dass ich ohne Probleme in den vorderen Bereich des dreigeteilten Innenraums gelangte.

Sogar einige Zeit später wurden noch zahlreiche Leute dort hineingelassen.

Da ich jedoch nicht unbedingt ganz vorne in den ersten paar Reihen stehen muss, reichte es mir vollkommen aus, einen Platz im vorderen Bereich sicher zu haben, so dass ich mir auch gleich mein Bändchen abholte, mit welchem ich dann auch später jederzeit wieder in diesen Bereich hineinkommen konnte.

Genesis Innenraumband vom 26.06.2007

Nun war erstmal eine Erkundungtour auf dem Gelände der Arena angesagt, bei der ich auch den Bierbuden zu etwas Umsatz verhalf und die Erfahrung machen musste, dass eine relativ lecker ausschauende Käsestange nicht unbedingt auch lecker schmecken muss.

Gegen ca. 20:00 Uhr begab ich mich dann wieder in den mittlerweile gut gefüllten Innenraum, wo ich einen Platz rechts von der Bühne ergatterte.

Kurz darauf ging es auch schon los, und Genesis betraten unter lautem Gejubel die Bühne.

Mein Platz erwies sich als nahezu perfekt, denn die Band war aus dieser geringen Distanz bis auf Tony Banks hervorragend zu erkennen, von dem ich aufgrund seiner Sitzposition leider meist nur den Rücken zu sehen bekam.

Dafür waren aber die Hauptleinwand in der Bühnenmitte und die kleine Leinwand am rechten Bühnenrand sehr gut zu erkennen.

Was ich in Hamburg bereits befürchtete, erwies sich nun allerdings als Fakt... Ein Großteil der Bühnenshow kommt so weit vorne einfach nicht richtig zur Geltung.

War es in Hamburg noch die Helligkeit, durch die manches verloren ging, war es hier die geringe Distanz.

Da ich damit aber ja bereits gerechnet hatte, störte es mich auch nicht allzu sehr, so dass ich mich bei diesem Konzert also eher auf die Band als auf die Bühnenshow konzentrierte.

Dabei wurde einmal mehr klar, dass da Musiker auf der Bühne stehen, die sich nichts mehr zu beweisen haben und auf Gepose oder ähnliches Superstar-Getue gut verzichten können, von einigen Einlagen von Phil Collins einmal abgesehen.

Routiniert spielten sich Genesis ohne nennenswerte Pannen durch ihr Set, das bisher bei allen Konzerten stets unverändert blieb, was ich jedoch als durchaus positiv empfinde, da dieses Set wirklich absolut stimmig ist.

Somit gilt also auch für dieses Konzert die hier bereits veröffentlichte Setlist.

Als störend erwiesen sich zumindest für mich jedoch die Getränkeverkäufer im Innenraum, welche zumindest dort wo ich stand bei wirklich jedem Song mindestens einmal vorbeiliefen.

Wenn sie denn auch wirklich nur vorbeilgelaufen wären, wäre es ja noch einigermaßen akzeptabel gewesen... Manche brüllten dabei aber tatsächlich ständig lautstark "Will noch jemand Bier?", und das während der Songs.

Als dann noch eine Cocktailverkäuferin mit ihrem Bauchladen ausgerechnet bei "Ripples" direkt vor mir stehen blieb, um einen Cocktail zu verkaufen, hätte ich wirklich beinahe zuviel gekriegt, denn an dem Bauchladen befand sich zu allem Überfluss auch noch ein Fähnchen, welches nun natürlich genau vor meinen Augen baumelte.

Sie war gerade weg, als es von der anderen Seite schon wieder laut "Bier?" schallte.

Diese Leute machen zwar auch nur ihren sicherlich auch nicht gerade stressfreien Job, aber es muss doch wohl wirklich nicht sein, dass man bei einem Konzert inmitten der Songs lautstark durch die Gegend brüllt.

Das war einfach zu viel des Guten, und in einer solchen Häufigkeit und dann auch noch derartig penetrant habe ich das bisher noch bei keinem anderen Stadionkonzert erlebt.

Zwar konnte auch das den Gesamteindruck des wirklich hervorragenden Konzertes nicht kaputtmachen, aber es hat mir doch, besonders bei einigen der eher ruhigen Songs, leider so manchen schönen Moment ruiniert.

Insgesamt war ich aber mehr als nur zufrieden mit dem Konzert, obwohl mir sowohl das Set als auch die Bühnenshow ja bereits aus Hamburg bekannt waren, aber durch das geschlossene Dach der Arena wirkte vieles von Anfang an doch ganz anders als noch in Hamburg, wo die Dunkelheit leider erst relativ spät einsetzte.

Ein paar Videos des Konzertes gibt es bereits in meinem Webalbum zu sehen.

Nach dem Konzert ging es dann sogleich in Richtung Bahnstation, wo jedoch bereits ein regelrechtes Chaos ausgebrochen war, denn tausende andere Konzertbesucher hatten natürlich dieselbe Idee.

Gegen diesen Ansturm konnten auch die zahlreichen Sonderzüge nur wenig ausrichten, die alle paar Minuten fuhren, so dass ich mich erstmal zu Fuß auf den Weg machte.

Irgendwann sah ich dann, dass die vorbeifahrenden Bahnen immer leerer wurden und stieg an der nächsten Haltestelle in eine davon ein, in der sogar tatsächlich auch noch ein Sitzplatz frei war.

Selbige Vorgehensweise erwies sich übrigens bereits bei den beiden Phil Collins Konzerten im November 2005 als sehr praktisch.

Endlich in der Altstadt angekommen, begab ich mich dann auch sogleich ins erstaunlicherweise noch recht leere "Engel", wo sich The Path of Genesis bereits inmitten ihres Auftritts befanden.

Ich setze mich an die Theke und ließ die Musik und einige Gläser Altbier auf mich wirken.

Es war wirklich erstaunlich, wie gut der Sound in solch einer kleinen Kneipe sein kann, aber auch die Band war in jeder Hinsicht überzeugend.

Die Musiker spielten hervorragende Soloparts, und auch die Stimme des Sängers konnte rundum überzeugen, wobei ich es besonders angenehm fand, dass dieser scheinbar gar nicht erst versucht, stimmlich ähnlich wie Phil Collins oder Peter Gabriel zu klingen.

Nachdem ich mir nach dem Auftritt von The Path of Genesis noch deren CD gekauft hatte, ging ich wieder nach draußen, wo ich noch mit einigen sehr netten Genesis Fans aus England und Norwegen ins Gespräch kam, welche ich an dieser Stelle ganz herzlich grüßen möchte.

So ging also auch dieser Abend dem Ende entgegen, und ich machte mich wieder auf den Weg in mein Hotel, dieses Mal jedoch zu Fuß, da die letzten Bahnen und Busse bereits abgefahren waren.

Es sollte aber ja noch ein weiteres Genesis Konzert am nächsten Tag folgen, worüber ich dann im abschließenden Part 3 der "Düsseldorf Diaries" berichten werde.

Freitag, 29. Juni 2007

Lou Reed's "Berlin" (Düsseldorf Diaries, Part 1)

Lou Reed bringt sein legendäres "Berlin" Album von 1973 auf die Bühne, mit Chor und Orchester.

Nur ein einziges Konzert sollte es in Deutschland geben, und wo wohl sonst könnte dieses stattfinden, wenn nicht in Berlin.

Als ich erstmals etwas darüber las, konnte ich es kaum glauben, doch der für die Aufführung angesetzte Termin (26.06.2007) passte mir leider so gar nicht in den Plan, denn ich hatte bereits ein Ticket für das Genesis Konzert in Düsseldorf, welches ebenfalls an genau diesem Tag stattfinden sollte.

Für einige Zeit spielte ich somit sogar tatsächlich mit dem Gedanken, mein Genesis Ticket zugunsten eines Lou Reed Tickets wieder zu verkaufen.

Kurz darauf wurde jedoch eine weitere "Berlin" Aufführung von Lou Reed angekündigt, und dieser Termin passte nun wirklich perfekt, sowohl was den Tag als auch was den Ort angeht.

So fuhr ich also am 25.06.2007 nach Düsseldorf, denn ebendort sollte Lou Reed am Abend in der PhilipsHalle auftreten, direkt an dem Tag vor dem ersten Genesis Konzert in der LTU Arena.

In Düsseldorf begab ich mich erstmal zu meinem Hotel, ehe ich dann mit der U-Bahn Richtung PhilipsHalle fuhr.

Dort angekommen musste ich aber leider feststellen, dass mein Sitzplatz bzw. die gesamte Sitzreihe gar nicht existierte.

Dieses zugegebenermaßen recht seltsame Problem wurde aber von einer sehr freundlichen Ordnerin schnell gelöst, so dass ich schließlich einen sogar noch weiter vorne gelegenen Platz am Mittelgang zugewiesen bekam.

Dem Konzerterlebnis stand nun also nichts mehr im Weg.

Zuvor wurde als eine Art Einstimmung ein von Lou Reed Musik begleiteter Naturfilm als Endlosschleife auf den Bühnenvorhang projiziert.

Dann war es auch schon so weit... Der Vorhang öffnete sich, und Lou Reed erschien auf der Bühne, mit ihm seine Band, ein Kinderchor und ein kleines Orchester.

Zu der Band gehört übrigens auch Gitarrist Steve Hunter, der bereits auf dem "Berlin" Album zu hören ist und auch bei vielen anderen Aufnahmen von Lou Reed mitgewirkt hat.

Ohne große Spielereien begann zuerst der Chor mit einer wundervollen Instrumentalversion von "Sad Song" als Einleitung zum ersten Teil des Konzertes, der Komplettaufführung des "Berlin" Albums.

Bis auf einen kurzen Zwischenruf während des Songs "Berlin" und dem Applaus zwischen den Songs lauschte das Publikum sehr andächtig und konzentriert der Musik des Albums, dessen komplette Liveaufführung nach immerhin 34 Jahren vielen wohl wie ein Traum vorkommen musste.

Lou Reed selbst, bekleidet mit einem schlichten T-Shirt und einer Jeans, übte sich eher in Zurückhaltung und überließ meist den anderen Musikern das Feld, was der Aufführung sehr zu Gute kam.

Er ist nun einmal kein Supertar, der um jeden Preis im Mittelpunkt stehen muss, sondern ein durch ein Leben voller Höhen und Tiefen geprägter Mann, der offenbar lieber seine Musik für sich sprechen lässt und auch vollkommen darin zu versinken scheint.

Seine Stimme trug viel dazu bei, die oftmals beklemmende Atmosphäre der Texte zu vermitteln, wirkte mal kraftvoll und voller Schmerz, mal hatte man aber auch schon fast das Gefühl, eher einem stillen Beobachter der Geschehnisse zu lauschen.

Wer das "Berlin" Album kennt, wird sicherlich wissen, welche bedrückende Faszination es zu vermitteln vermag, doch es live zu erleben, verstärkt diese Erfahrung sogar nochmals.

Die Endparts mancher Songs (z.B. "The Kids" und "Sad Song") wurden mantra-ähnlich wiederholt und frästen sich so regelrecht in die Köpfe des Publikums, welches wie gelähmt den aus den Boxen dringenden Klängen lauschte.

Schon lange nicht mehr habe ich bei einem Konzert ein derartig gefesseltes Publikum erlebt, sogar fotografierende und filmende Leute schien es so gut wie gar nicht nicht zu geben.

Ich selbst hatte zwar mein Fotohandy dabei, wäre aber niemals auf die Idee gekommen, auch nur einen Augenblick der "Berlin" Aufführung für ein Foto oder ein Video zu verschenken.

Das Bühnenbild wurde dominiert von Vorhängen mit einem großformatigen Bild des Künstlers und Filmemachers Julian Schnabel, welcher auch für die gesamte Inszenierung der Aufführung verantwortlich ist, deren Premiere übrigens bereits im letzten Jahr im St. Ann's Warehouse in Brooklyn, NY stattfand.

Auf dieses Bild wurde ein Film projiziert, der aus Elementen bestand, die sich auch in der Geschichte des Albums wiederfinden und den Gesamteindruck somit noch verstärkte, die Geschichte also auch visuell lebendig werden ließ.

Als nach einer guten Stunde die letzten Klänge des finalen "Sad Song" verklungen waren, dauerte es noch einen Moment, ehe das Publikum sich wieder in der Realität zurück wusste und begann, Lou Reed und seine Mitstreiter mit Standing Ovations zu feiern

Erst jetzt wurden dann doch auch die ersten Displays von Kameras und Handies in der Menge sichtbar.

Lou Reed stellte noch ausgiebig die Musiker und andere Mitwirkende vor, ehe sich der Vorhang wieder schloss.

Nun dauerte es eine gefühlte Ewigkeit, bevor es als Zugabe noch ein paar Highlights aus dem langjährigen Schaffen von Lou Reed zu hören gab, diesmal jedoch ebenfalls mit dem Kinderchor und dem Orchester.

Das eh schon stehende Publikum ging näher an die Bühne und wartete gespannt auf das nun Folgende.

Es begann mit einer energiegeladenen Version des Velvet Underground Klassikers "Sweet Jane", bei welcher besonders die stimmgewaltige Sängerin der Band ordentlich punkten konnte und auch Steve Hunter ein weiteres Mal seine Gitarre kräftig quälen durfte.

Auch in das Publikum kam nun erstmals so richtig Bewegung.

Ein Video von "Sweet Jane" und ein weiteres von der Bandvorstellung sind bereits in meinem Webalbum zu finden, von der Aufführung des "Berlin" Albums habe ich aus oben bereits genannten Gründen keine Aufnahmen gemacht.

Weiter ging es mit einer Gänsehautversion von "Satellite Of Love", bei welcher zuerst Bassist Fernando Saunders den Gesang übernahm, ehe dann Lou Reed und später sogar der Chor mit einstimmten.

Zum Abschluss gab es nun noch "Walk On The Wild Side", wobei sich ebenfalls der Chor als großer Gewinn herausstellte und ein wundervolles Saxophonsolo einem regelrecht die Tränen in die Augen trieb.

Nach diesem tollen Finale, wie es stimmiger eigentlich nicht hätte sein können, schloss sich der Vorhang dann auch endgültig.

Am Merchandising-Stand kaufte ich mir noch ein T-Shirt und ein Programm (für gerade einmal 3,- €), welches die Songtexte des "Berlin" Albums in den Sprachen aller Länder enthält, in denen Lou Reed mit dieser Aufführung gastiert.

Nach einem kurzen Abstecher ins Hotel ging es nun weiter in die Altstadt, um noch eine Kleinigkeit zu essen und dann den Abend in einer der vielen Kneipen gemütlich ausklingen zu lassen.

Aus der Kleinigkeit zu essen wurde letztendlich zwar ein großes Steak, doch das gemütliche Ausklingen des Abends hätte wohl gemütlicher nicht sein können.

Eher durch Zufall entdeckte ich in einer Seitenstraße eine kleine Kneipe namens "Em Pöötzke", aus welcher sanfte Jazzmusik auf die Straße drang.

In einem sehr schönen Ambiente spielten dort auf einer kleinen Bühne ein paar Herren richig entspannenden Jazz, wobei ich mir dann noch einige Gläser Altbier genehmigte.

Wer gerne Jazz hört, sollte unbedingt einmal einen kleinen Abstecher in diese Kneipe machen, wenn er mal nach Düsseldorf kommt, denn dort gibt es jeden Abend Livemusik.

Für mich ging es dann aber auch zurück ins Hotel, denn am nächsten Abend sollte ja schon das erste von zwei Genesis Konzerten folgen.

Ein ausführlicher Bericht darüber folgt in den nächsten Tagen in Form von Part 2 der "Düsseldorf Diaries".

Donnerstag, 21. Juni 2007

Peter Gabriel - Another Big Time in Hamburg

Nach dem The Who Konzert am Montag ging mein Konzertmarathon am Dienstag bereits weiter, denn diesmal sollte Peter Gabriel sich auf der Freilichtbühne im Hamburger Stadtpark die Ehre geben.

Erstmal nutzte ich aber den Tag und ging nach dem Auschecken aus dem Hotel zum Hafen.

Bei herrlichstem Sonnenschein wanderte ich also die Landungsbrücken entlang, ging durch den Alten Elbtunnel auf die andere Seite der Elbe und genoss die dortige Aussicht, ehe ich mich zu einer Hafenrundfahrt auf eine der zahlreichen Barkassen begab.

Hamburger Hafen - Landungsbrücken

All das habe ich nun zwar schon unzählige Male gemacht, aber irgendwie gehört das für mich zu einem mehrtägigen Aufenthalt in Hamburg einfach dazu.

Als ich am Abend dann wieder auf dem Gelände der Freilichtbühne ankam, war dieses noch erstaunlich leer, so dass ich mich schließlich in der dritten Reihe vor der Bühne wiederfand und vorher sogar noch in Ruhe etwas Essen und Trinken konnte, was mir am Vortag ja leider nicht wirklich vergönnt war.

Um ca. 18:45 Uhr hatte ich dann aber doch noch ein Déjà-Vu, denn erneut begann das Konzert früher als auf der Eintrittskarte angegeben, diesmal aber immerhin tatsächlich mit dem Vorprogramm, welches von Charlie Winston bestritten wurde.

Dessen Musik passte zwar nicht so wirklich zu der von Peter Gabriel, aber sie entpuppte sich doch recht schnell als ein Garant für gute Laune und sommerliche Stimmung, was verbunden mit dem immer noch herrlichen Wetter für eine richtig tolle Atmosphäre sorgte.

Hätte ich genügend Geld dabei gehabt, hätte ich mir sicherlich auch noch die CD von Charlie Winston gekauft, doch die kann man glücklicherweise auch über dessen Website bestellen.

Etwas später war es dann endlich soweit, und Peter Gabriel betrat die Bühne.

Peter Gabriel Peter Gabriel

Gleich zu Beginn machte er mit "The Rhythm Of The Heat" auf eine recht eindrucksvolle Art und Weise klar, dass an diesem Abend alles möglich sein würde und er auch stimmlich in hervorragender Form ist.

Tatsächlich gab es dann auch nur wenige seiner Hits zu hören, dafür jedoch zahlreiche Klassiker, die so manchem langjährigen Fan die Freudentränen nur so in die Augen getrieben haben dürften, denn nie hätte man zuvor wohl damit gerechnet, diese Songs tatsächlich noch einmal live erleben zu dürfen.

Die Auswahl der Songs der aktuellen Tour basiert übrigens auf einem Voting, bei dem die Fans für die Songs abstimmen konnten, die sie gerne einmal live hören würden.

Viele der Songs wurden seit Jahren nicht mehr gespielt und auch nur relativ selten geprobt, so dass der ein oder andere Spielfehler sich dann doch mal einschlich.

Wirklich gestört haben dürfte das aber wohl keinen, genauso wenig wie die Bühnenshow, die im Vergleich zu früheren Touren geradezu schlicht wirkte, eben dadurch aber den Fokus stets auf die Musik und die Band zu lenken vermochte.

Oftmals erzählte Peter Gabriel auch etwas über die Songs, wobei er meist deutsch sprach und den Text von Zetteln ablas.

"Schnappschuss (Ein Familienfoto)" gab es dann sogar in der deutschen Version zu hören, und auch bei "Not One Of Us" ließ er es sich nicht nehmen, einige Zeilen in deutscher Sprache zu singen.

Die Besetzung der Band hat sich seit der letzten Tour bis auf den Platz an den Keyboards glücklicherweise nicht geändert, so dass auch dieses Mal unter anderem der grandiose Tony Levin am Bass und David Rhodes an der Gitarre eindrucksvoll ihr Können unter Beweis stellen konnten.

Tony Levin, Ged Lynch, Peter Gabriel & David Rhodes

Als Peter Gabriel jedoch irgendwann ankündigte, dass der von den Fans am häufigsten gewünschte Song "Mother Of Violence" nun von seiner Tochter Melanie gesungen werden würde, erinnerte sich so mancher wohl an die letzte Tour, bei welcher eben diese nicht gerade mit gesanglichen Großtaten überzeugen konnte.

Doch die positive Überraschung folgte sehr schnell, denn der Gesang von Melanie hat sich erstaunlich verbessert und passte meiner Meinung nach auch wirklich gut zu dem Song.

Melanie Gabriel & Tony Levin

Wer auf Hits gehofft hat, dürfte diesen Abend wohl mit eher zwiespältigen Gefühlen in Erinnerung behalten, denn erst recht spät gab es den ein oder anderen davon dann doch noch zu hören.

Als jedoch bei "In Your Eyes" als letzter Zugabe nochmals Charlie Winston die Bühne betrat und einen Teil des Songs als Duett mit Peter Gabriel sang, waren die meisten aber wohl bereits wieder versöhnt... Wissend, dass sie gerade einem ganz besonderen Konzert beiwohnen durften.

Charlie Winston, Ged Lynch, David Rhodes & Peter Gabriel

Wann erlebt man schließlich schon mal Peter Gabriel in einer derart schönen und intimen Location, dazu noch derartig gut gelaunt und gut bei Stimme?

Sehr sympathisch fand ich auch seinen Lachanfall bei der Vorstellung der Band, als er etwas über Richard Evans erzählte und sich daraufhin nicht mehr einkriegen konnte.

Einige interessante Hintergrundinformationen über das Konzert gibt es übrigens bereits im Peter Gabriel Tourdiary.

Weitere Fotos und Videos, die ich während des Konzertes aufgenommen habe, sind in meinem Webalbum zu finden.

Die komplette Setlist des Konzertes werde ich auch hier wieder als Kommentar zum Beitrag posten.

The Who - An Amazing Journey in Hamburg

Am Montag war es soweit, und mein Sommer 2007 Konzertmarathon ging nach dem Genesis Konzert in Hamburg in eine neue Runde.

Diesmal waren es The Who, die auf der Freilichtbühne im Hamburger Stadtpark spielen sollten, für mich übrigens eine der schönsten Open-Air Locations hierzulande.

Hatte es in Hamburg nachmittags noch ordentlich geregnet, so ließ sich rechtzeitig zum Konzertbeginn doch tatsächlich die Sonne wieder blicken... Ein gutes Omen?!

Als ich das Gelände der Freilichtbühne gegen 19:30 Uhr betrat, war ich zuerst noch etwas enttäuscht, als ich einen Zettel entdeckte, auf dem stand, dass die Vorgruppe The Cult nicht spielen würde, denn die hätte ich durchaus gerne einmal live gesehen.

Konzertbeginn sollte laut der Eintrittskarte um 20:00 Uhr sein, also blieb ja noch etwas Zeit, um sich um etwas zu Essen zu kümmern.

Nachdem ich um ca. 19:45 Uhr dann mein Steak in den Händen hielt, hätte ich selbiges vor Schreck fast wieder fallen gelassen, als ich die vertrauten Klänge von "I Can't Explain" vernahm.

Still und heimlich hatten The Who doch tatsächlich bereits die Bühne betreten und auch gleich losgelegt, so dass sich plötzlich zahlreiche Menschen sehr überrascht von den zu der Zeit noch gut gefüllten Ständen zur Bühne bewegten.

Ein Großteil der Stände befindet sich auf dem Gelände der Freilichtbühne nämlich hinter dicht gewachsenen Bäumen, und von dort ist die eigentliche Bühne nicht einsehbar.

Meiner Meinung nach ist es doch etwas unglücklich, wenn erst am Eingang zu lesen ist, dass die angekündigte Vorgruppe nicht spielt, und der Hauptact dann auch noch früher als auf der Eintrittskarte vermerkt mit seinem Auftritt beginnt.

Ich selbst habe zwar das gesamte Konzert gehört (gesehen habe ich es aus oben genannten Gründen jedoch erst ab dem zweiten Song), doch es waren auch viele Besucher dort, die bewusst später kamen, da sie keine Lust auf die Vorgruppe hatten.

All diese Leute hatten somit einen teilweise nicht unerheblichen Teil des Auftritts von The Who verpasst, was bei einem Eintrittspreis von immerhin 75,- € sicherlich nicht so schön ist.

Ein Ehepaar, welches mir nach dem Konzert in der U-Bahn gegenüber saß, hatte jedenfalls ca. 30 Minuten für The Cult und weitere 15 Minuten für die Umbaupause einkalkuliert und kam somit auch erst gegen 20:45 Uhr im Stadtpark an.

Wie die beiden sich gefühlt haben müssen, als sie erfuhren, dass The Who zu der Zeit bereits seit ca. einer Stunde spielten und sie somit knapp die Hälfte des Auftritts verpasst haben, kann ich mir jedenfalls nur allzu gut vorstellen.

Soviel also zum sicherlich nicht optimalen Drumherum, doch das Wichtigste war ja schließlich der Auftritt von The Who.

Routiniert rockten und tobten sich die alten Herren durch ihr Set voller Highlights aus ihrer langen Karriere, aber auch viele Songs des aktuellen Albums kamen zu Gehör, welche live sogar noch erheblich lebendiger und frischer rüberkamen als auf CD.

Bis auf Projektionen auf einer Leinwand im Hintergrund und ein paar bunte Scheinwerfer gab es zwar so gut wie keine Bühnenshow, doch die brauchte es bei einem solch energiegeladenen Auftritt auch nicht wirklich, denn hier stand ganz klar die Musik im Vordergrund.

Etwas schade fand ich es allerdings, dass die anderen Bandmitglieder im Gegensatz zu Sänger Roger Daltrey und Gitarren-Maniac Pete Townshend doch etwas untergingen, denn immerhin standen da z.B. mit Pino Palladino und Zak Starkey (dem Sohn von Ringo Starr, dem Schlagzeuger der Beatles) nicht gerade unbekannte Namen auf der Bühne.

Musikalisch stimmte aber bis auf ein paar anfängliche Gitarrenprobleme (das ist halt live) wirklich alles.

Besonders Pete Townshend hatte viel zu erzählen und sorgte immer wieder für den ein oder anderen Lacher, begeisterte aber natürlich hauptsächlich durch sein grandioses Gitarrenspiel mit zahlreichen seiner berühmt-berüchtigten "Windmühlen".

Von Roger Daltrey hatte man nun ja bereits des Öfteren gehört, dass seine Stimme wohl nicht mehr so richtig mitmachen soll, doch das, was er da in Hamburg abgeliefert hat, war wirklich erstklassiger Gesang.

Bei den Zugaben merkte man ihm zwar an, dass einige Parts ihn wohl zunehmend anstrengten, aber selbst diese klangen dennoch sauber und kraftvoll, und so wie dieser Mann wirbelt wohl auch kein Zweiter sein Mikrofon durch die Gegend, wobei es mit dem Auffangen des selbigen einmal dann aber doch nicht so ganz geklappt hat, was er jedoch mit einem Lächeln quittierte.

Von diesen alten Recken können sich so manche "Ausgeburten" der heutigen Musikszene wahrlich noch das ein oder andere Scheibchen abschneiden.

...Sollte es tatsächlich irgendwo auf dieser Welt einen Jungbrunnen geben, so könnte man fast vermuten, dass Roger Daltrey und Pete Townshend schon einmal dort waren.

Als großer Fan der CSI-Fernsehserien habe ich mich übrigens auch sehr darüber gefreut, dass tatsächlich die Titelsongs aller drei Serien gespielt wurden.

"Who Are You" (CSI: Las Vegas), "Baba O'Riley" (CSI: New York) und "Won't Get Fooled Again" (CSI: Miami)!

Die komplette Setlist des Konzertes gibt es für alle Neugierigen als Kommentar zu diesem Beitrag.

Samstag, 16. Juni 2007

Genesis sind zurück... Und wie!

Gestern meldeten sich Genesis in der wohl bekanntesten Besetzung mit Phil Collins eindrucksvoll zu ihrem ersten Konzert in Deutschland seit ca. 15 Jahren zurück, und die AOL Arena in Hamburg stand Kopf.

Sollte tatsächlich jemand glauben, dass die alten Herren es nicht mehr drauf haben, dann sollte er sich schnellstmöglich ein Ticket für eines der noch kommenden Konzerte besorgen und sich vom Gegenteil überzeugen lassen.

23.06.07 - Hannover, AWD Arena
26.06.07 - Düsseldorf, LTU Arena
27.06.07 - Düsseldorf, LTU Arena
28.06.07 - Stuttgart, Gottlieb-Daimler-Stadion
03.07.07 - Berlin, Olympiastadion
04.07.07 - Leipzig, Zentralstadion
05.07.07 - Frankfurt, Commerzbank Arena
10.07.07 - München, Olympiastadion
Die Bühne an sich ist schon wahrlich imposant, doch wenn die Show erstmal so richtig in Fahrt gekommen ist, kommt man aus dem Staunen schon fast nicht mehr raus.

Die Songauswahl ist ebenfalls absolut gelungen und dürfte alte und neue Fans gleichermaßen begeistern, aber auch die Reihenfolge der Songs im Set ist wirklich sehr stimmig.

Die komplette Setlist des Konzertes ist als Kommentar zu diesem Beitrag zu finden... Es wird also keiner gezwungen, sie zu lesen.

Sicherlich wird vielen wohl der ein oder andere Lieblingssong fehlen, aber immerhin handelt es sich bei Genesis um eine Band, die schon seit ca. 40 Jahren aktiv ist und auf den Konzerten somit auch viele Schaffensphasen abzudecken hat.

Es war auf jeden Fall ein wirklich durchweg grandioses Konzert und wohl in jeder Hinsicht sehr viel besser, als so mancher es nach der Ankündigung der Tour vielleicht noch erwartet hatte.

Einige Videos, die ich während des Konzertes aufgenommen habe, sind bereits in meinem Webalbum zu finden.

Weitere Infos über Genesis und die laufende Tour gibt es hier.

Ich selbst freue mich schon jetzt sehr auf die beiden Konzerte in Düsseldorf, bei denen ich ebenfalls wieder dabei sein werde.

Ein kleiner Hinweis nun noch an diejenigen, die es scheinbar immer noch nicht mitbekommen haben:

Phil Collins ist zwar Mitglied bei Genesis, aber er ist nicht Genesis!

Wenn man also mit der Hoffnung auf Songs wie "One More Night", "In The Air Tonight" oder "Sussudio" ein Genesis Konzert besucht, dann kann man nachher eigentlich nur enttäuscht sein.

Dienstag, 1. Mai 2007

Lotto King Karl live in Hamburg

Lotto King Karl

Lotto King Karl war in der Hamburger Color Line Arena, und ich war dabei!

Im Vorprogramm durften erstmal Extrabreit ca. eine halbe Stunde lang zeigen, dass sie noch immer ganz ordentlich rocken können, ehe dann Lotto King Karl und seine Barmbek Dream Boys & Girls ein gut dreistündiges (!!!) Feuerwerk mit vielen Highlights abfackelten.

Von knalligen Rocksongs über so einige Balladen bis hin zu ordentlichen Partykrachern wurde wirklich alles geboten.

Lotto und die Band waren allesamt sichtlich gut drauf, und es waren sogar einige spezielle Gäste in der restlos ausverkauften Arena mit dabei.

So erschien z.B. während des Songs "Lang lebe Kelly Trump" eben diese auf der Bühne, was zu zahlreichen erstaunten Gesichtern führte.

...Ein bis auf den oftmals leider recht "matschigen" Sound wirklich rundum toller Abend mit einer konstant extrem guten Stimmung, welcher sogar für eine DVD aufgezeichnet wurde.

Sehr angenehm finde ich übrigens auch, dass Lotto viel Programm für wenig Geld bietet, denn wann erlebt man es heutzutage noch, dass die teuersten Tickets für ein knapp vierstündiges Konzert (inkl. Vorprogramm) noch nicht einmal 30,- € kosten?

Ich weiß jedenfalls jetzt schon, dass ich sicher bei mindestens einem der kommenden Lotto King Karl Konzerte im Hamburger Stadtpark dabei sein werde, denn der Mann ist wahrlich ein echter Vollblut-Musiker und gibt auf der Bühne wirklich alles.

Ein paar Videos, die ich bei dem Konzert gemacht habe, lade ich später noch in mein Webalbum, jedoch sind diese leider von weiter hinten aufgenommen worden, da mir der "Hexenkessel" vor der Bühne doch etwas zu wild war... Man wird halt nicht jünger.

Donnerstag, 8. März 2007

Sting und Edin Karamazov live in Düsseldorf

Wie ja hier nun schon mehrfach zu lesen, war ich gestern in der Tonhalle in Düsseldorf auf dem Konzert von Sting und Edin Karamazov.

Zuerst einmal bin ich wirklich begeistert, dass es tatsächlich geklappt hat, einen Beitrag mit Foto von meinem Platz aus per Handy direkt hier ins Blog zu senden.

Das Konzert begann mit einem Solo-Teil von Edin Karamazov, der klassische Stücke (unter anderem von Bach) mit der Laute interpretierte, und Dank der hervorragenden Akustik der Tonhalle konnte man dabei wirklich jeden noch so leisen Ton deutlich hören.

Nach ca. 20 Minuten erschien dann auch Sting auf der Bühne, um gemeinsam mit Karamazov die Stücke des gemeinsamen "Songs From The Labyrinth" Albums zu interpretieren sowie aus Briefen des elisabethanischen Komponisten John Dowland zu lesen, auf dessen Musik das ganze Konzept basiert.

Viele seiner an das Publikum gerichteten Ansagen und Erklärungen sprach Sting sogar in einem nahezu perfekten Deutsch, was immer wieder zu spontanem Applaus führte.

Wie schon auf dem aktuellen DVD/CD-Set war seine Stimme auch gestern sehr klar und fassettenreich... Jeder Ton klang absolut sauber und dürfte auch den letzten Kritiker davon überzeugt haben, dass Sting diese Stücke wirklich singen kann.

Um aber auch die mehrstimmig interpretierten Stücke des Studio-Albums entsprechend darbieten zu können, kam mehrfach der achtköpfige Chor Stile Antico zu Sting und Edin Karamazov auf die Bühne, und diese jeweils vier Damen und Herren sind wirklich ein absoluter Gewinn für die Atmosphäre der Stücke.

Leider war der Hauptteil des Konzertes nach ca. 70 Minuten (inkl. des Solo-Teils von Karamazov) schon vorbei, doch es sollten noch ein paar Zugaben folgen, die für viele der Besucher wohl eine ziemliche Überraschung waren.

Nachdem bisher ausschließlich Musik und Texte aus der elisabethanischen Zeit zu hören waren, begann die erste Zugabe mit einer wundervollen Lauten-Version von "Fields Of Gold", begleitet von einer der Sängerinnen des Chores.

Danach kam der Blues-Song "Hellhound On My Trail" von Robert Johnson, welcher eindrucksvoll zeigte, dass man mit der Laute sogar den Blues überzeugend interpretieren kann.

Der Höhepunkt des Abends war jedoch eine unglaublich schöne und sehr lange Version von "Message In A Bottle", welche stellenweise vom Chor begleitet und mit einem nicht enden wollenden Applaus bedacht wurde.

Es folgte jedoch noch eine weitere Zugabe aus dem "Songs From The Labyrinth" Album, ehe Sting, Edin Karamazov und der Chor sich dann scheinbar endgültig vom Publikum verabschiedeten.

Zumindest für Karamazov und den Chor traf das auch tatsächlich zu, doch Sting zeigte sich aufgrund des anhaltenden Applauses erneut auf der Bühne, um acapella noch ein paar Zeilen des (wie er sagte) einzigen ihm bekannten deutschsprachigen Stückes zu singen, nämlich "Die Moritat von Mackie Messer" von Brecht und Weill.

Hier ein aufgrund der Dunkelheit leider recht unscharfes Foto, welches ich während dieser scheinbar ungeplanten Zugabe machen konnte...



Dann ging nach gut 90 Minuten aber auch tatsächlich die Saalbeleuchtung an und ein sehr stiller aber wirklich unvergesslicher Abend zu Ende.

Der heimliche Star des Abends war für mich übrigens Edin Karamazov, der in seinen verschiedensten Lauten oftmals regelrecht zu versinken schien und dessen Finger mit einer Geschwindigkeit über die Saiten rasten und strichen, die manchen Rockgitarristen wohl neidvoll hätten erblassen lassen.

Somit habe ich mir nach dem Konzert auch ohne zu Zögern die Solo-CD von Karamazov gekauft, welche ausschließlich mit der Laute gespielte Interpretationen klassischer Stücke enthält.

Bereits vor dem Konzert habe ich mir glücklicherweise ein von Sting handsigniertes Exemplar des von mir so geliebten aktuellen DVD/CD-Sets gesichert, wovon bei jedem Konzert nur 50 frisch signierte Exemplare verfügbar sind, welche dann auch erwartungsgemäß innerhalb kürzester Zeit vergriffen waren.