Montag, 23. Juli 2007

Der "Potter Harald" verzaubert wieder alle Medien!

Jetzt gibt es also mal wieder ein neues Harry Potter Buch... Bisher zwar nur auf Englisch, doch das scheint den meisten Lesern ja wohl egal zu sein.

Zufälligerweise (natürlich) hat aber doch tatsächlich irgendein ganz böser Mensch das Buch bereits vor dem Erscheinungstermin abfotografiert und ins Internet gestellt, woraufhin dann auch (erwartungsgemäß) plötzlich eine regelrechte Medienlawine losrollte.

Die Bildzeitung ist (wie sollte es auch anders sein) bei der Berichterstattung natürlich mal wieder ganz vorne mit dabei, und selbst die Firma Canon will gerne bei der Fahndung nach dem Übeltäter helfen, denn immerhin wurde das Buch wohl mit einer Kamera aus dem Hause Canon abfotografiert.

Woche für Woche erscheinen weltweit eine ganze Menge Bücher, Filme und CDs, wovon ein großer Teil wohl ebenfalls bereits vor oder nahezu zeitgleich mit dem Erscheinungstermin irgendwo im Internet auftauchen dürfte, aber darum wird doch auch nicht jedes Mal gleich so ein Zirkus veranstaltet.

Warum steht also ausgerechnet Harry Potter stets immer wieder sofort im Interesse nahezu aller Medien?

Mir stellen sich momentan jedenfalls die folgenden Fragen:

Was für ein langweiliges Leben muss man haben, um überhaupt auf die Idee zu kommen, jede einzelne Seite eines derartig dicken Wälzers abzufotografieren?

Mir ist es ja manchmal schon fast zu aufwändig, mal ein paar Sachen für meine gelegentlichen eBay-Auktionen abzulichten.

Hat man bei Canon nichts Besseres zu tun, als sich in Dinge einzumischen, mit denen man doch eigentlich nicht wirklich etwas zu tun hat, oder ist der Firma Canon etwa durch diese Geschichte irgendein wirtschaftlicher Schaden entstanden, der ein derartiges Eingreifen rechtfertigt?

Ich bin selbst Besitzer einer älteren Canon Kamera, aber ich kann mich nicht daran erinnern, jemals eingewilligt zu haben, dass die Firma Canon (aus welchen Gründen auch immer) die von mir z.B. im Rahmen einer Reparatur erfassten Daten von sich aus einfach so weitergeben darf.

Woher hat der böse Fotograf das doch ach so Geheimnis umwitterte Buch eigentlich bereits mehrere Tage vor dem Erscheinungstermin bekommen?

Vielleicht sollte man bei den Nachforschungen doch lieber mal dort ansetzen.

Meiner Meinung nach ist das alles mal wieder eine einzige Inszenierung, bei der sich ein paar Medien und Firmen zusammengeschlossen haben, um sich in der Öffentlichkeit werbewirksam zu positionieren.

Irgendwie würde es mich ja schon reizen, einmal in sämtlichen durch die Medien bekannt gewordenen Tauschbörsen im Internet nach dort bereits verfügbaren aktuellen oder auch kommenden Veröffentlichungen zu suchen und dann eine Übersicht aller gefundenen Titel z.B. der Bildzeitung zu übermitteln, aber dafür ist mir meine Zeit dann doch zu kostbar.

Würde man dort allerdings jedem einzelnen gefundenen Titel eine derartige Aufmerksamkeit widmen wie dem neuen Harry Potter Buch, dann würde dies den Umfang der Zeitung sicherlich sprengen.

Da ich bisher selbst noch keines der Harry Potter Bücher gelesen habe, steht es mir sicherlich auch nicht zu, irgendwelche Kritik an den darin vermittelten Inhalten zu üben (es ist ja schon erfreulich genug, dass es überhaupt so viele Leute gibt, die noch Bücher lesen), doch der ganze Hype, der darum gemacht wird, geht mir so langsam trotzdem ziemlich auf die Nerven.

Aber was soll's... Es gibt Wichtigeres auf dieser Welt!

Freitag, 13. Juli 2007

Freitag der 13.

Da haben wir nun also mal wieder den Unglückstag überhaupt, aber bisher ist mir noch nichts Nennenswertes passiert... Wie langweilig!

Es gibt übrigens tatsächlich Leute, die für diesen Tag sogar regelmäßig Urlaub einreichen und dann auch ihr Haus nicht verlassen.

Weicheier!!!

Dienstag, 3. Juli 2007

Genesis - Tag 2 (Düsseldorf Diaries, Part 3)

Dem tollen Genesis Konzert vom Vortag sollte heute nun also noch ein weiteres folgen.

Nach einer noch kürzeren Nacht als der zuvor checkte ich nach einem ordentlichen Frühstück erst einmal aus dem Hotel aus, denn diesmal wollte ich noch in der Nacht wieder zurück nach Oldenburg fahren.

Die Altstadt kannte ich mittlerweile ja bereits, so dass ich mich nun den Einkaufsstraßen widmete, welche mir aber größtenteils nicht besonders gut gefielen.

Am Vortag erblickte ich auf dem Weg zur LTU Arena jedoch den Aquazoo und entschied nun spontan, dort doch einfach einmal hinzufahren.

Wenn man sich für Tiere und die Erdgeschichte interessiert, kann man sich dort wirklich stundenlang aufhalten, und genau das tat ich dann auch.

Neben lebenden Land- und Wassertieren gibt es während des Rundgangs auch zahlreiche Texttafeln, Bilder und Diagramme zu den verschiedenen Themenbereichen zu erkunden... Ein wirklich angenehmer und lehrreicher Zeitvertreib.

Nach einigen Stunden im Aquazoo wurde es dann aber auch schon wieder Zeit, zur LTU Arena zu fahren.

Nachdem ich am Vortag bereits recht weit vorne stand, wollte ich dieses Mal bewusst weiter hinten stehen, so dass ich auch erst kurz vor dem Einlass an der Arena ankam.

Seltsamerweise war die Schlange vor dem Eingang jedoch trotz dieser späten Zeit kürzer als erwartet.

Erneut begann der Einlass recht pünktlich, und diesmal verlief er auch sehr schnell und völlig stressfrei.

Wurden am Vortag noch sämtliche Besucher von oben bis unten gründlich abgetastet, so musste man nun lediglich seine Eintrittskarte vorzeigen, und schon war man drin.

Im Innenraum angekommen, begab ich mich gleich in den mittleren der drei Innenraumbereiche, woraufhin ich sofort von einem etwas verwunderten Ordner darauf hingewiesen wurde, dass ich auch noch nach ganz vorne gehen könne, wo ich ja bereits am Vortag stand.

Genesis Innenraumband vom 27.06.2007

Dieses Mal wollte ich jedoch von weiter hinten einen schönen Überblick über die gesamte Bühnenbreite haben und platzierte mich somit in diesem Bereich ganz hinten mittig vor dem Graben für eine der Kameras, denn das Konzert wurde live in ausgewählte Kinos in England, Irland, Spanien und Schweden übertragen... Also wirklich im wahrsten Sinne des Wortes eine "Cinema Show".

Nun war erstmal eine längere Wartezeit angesagt, denn diesen Spitzenplatz wollte ich keinesfalls wieder hergeben.

Da ich nach dem Konzert noch mit dem Auto zurück nach Oldenburg fahren wollte, hatte ich diesmal auch kein Bier getrunken, so dass die Wartezeit aber ziemlich stressfrei und dank einiger kleiner Spiele auf dem Handy auch recht kurzweilig verlief.

Wie schon am Vortag begannen Genesis um ca. 20:15 Uhr mit ihrem nach wie vor unveränderten Set und heizten der Menge erneut sofort ordentlich ein.

Besonders Phil Collins war sogar noch spürbar besser gelaunt und ließ es sich auch nicht nehmen, das Publikum in seinen Ansagen des Öfteren auf die Kinoübertragung hinzuweisen.

Beim "Domino Principle" wurden die Kinozuschauer sogar mit eingebunden, auch wenn man in der Arena natürlich nicht sehen konnte, ob diese ihren Part denn auch gewissenhaft erfüllten.

In meinen Augen war jedenfalls das gesamte Konzert noch deutlich besser als das am Vortag, woran auch der sicherlich recht ärgerliche Ausfall der Hauptleinwand ausgerechnet bei "In The Cage" nichts ändern konnte, welcher jedoch gekonnt überspielt wurde.

Das lag zum einen daran, dass die gesamte Band merklich engagierter bei der Sache war und bei manchen Songs noch druckvoller spielte als am Vortag, aber auch an den äußeren Umständen.

Nur sehr selten kamen diesmal Getränkeverkäufer vorbei, die auch nicht durch die Gegend brüllten, es wurde in meiner Umgebung während der Songs so gut wie gar nicht gesprochen, und die Sicht auf die Bühne war einfach perfekt.

Einerseits konnte ich zwar die Band noch ziemlich gut erkennen, hatte aber andererseits auch den erhofften Überblick über die gesamte Bühnenbreite, um die Bühnenshow richtig genießen zu können, denn das ist bei einer derartig großen Bühne von zu weit vorne einfach nicht wirklich möglich.

Somit konnte ich mich vom Anfang bis zum Ende vollends auf die Musik und die Show konzentrieren, was ich so bei einem Stehplatz im Innenraum schon lange nicht mehr erleben durfte.

Sogar die wenigen Leute in meinem Umkreis, die bereits vor den Zugaben den Innenraum verlassen wollten, taten dies derartig rücksichtsvoll und schnell, dass es eigentlich niemanden wirklich gestört haben dürfte.

Auch wenn das jetzt vielleicht nicht so klingen mag, war die Stimmung aber trotzdem richtig gut... Ich war also keinesfalls von einer Horde regungsloser Langweiler umgeben.

Für mich war dieses Konzert das letzte auf dieser Tour, und perfekter hätte der Abschluss wohl kaum sein können.

In meinem Webalbum befinden sich bereits einige Videos von dem Konzert.

Nach dem Konzert ging ich noch zum Merchandising und gab mich einem kleinen Kaufrausch hin, ehe ich mich dann in Richtung Bahn begab, denn mein Auto hatte ich aufgrund der mir von früheren Konzerten bereits bekannten Verkehrssituation im Umkreis der Arena doch lieber beim Hotel stehen lassen.

Endlich beim Auto angekommen, machte ich mich auch sogleich auf den mehrstündigen Heimweg, den Kopf voller schöner Erinnerungen an die erlebnisreichen Tage in Düsseldorf.

...Und damit endet nun auch der finale Part 3 der "Düsseldorf Diaries".

Samstag, 30. Juni 2007

Genesis - Tag 1 (Düsseldorf Diaries, Part 2)

Obwohl ich am Vorabend erst recht spät ins Bett gekommen bin (siehe hier), klingelte mich der Wecker am Dienstagmorgen bereits recht früh wieder aus den schönsten Träumen.

Nach dem Frühstück im Hotel ging es erneut in die Altstadt, wo ich mir noch ein paar Sehenswürdigkeiten anschauen wollte, doch da es draußen recht stürmisch war, gab ich dieses Unterfangen recht schnell wieder auf und begab mich stattdessen in das Filmmuseum, welches ich gerade entdeckt hatte.

Für einen großen Filmfreund wie mich natürlich ein perfekter Ort, um sich die Zeit zu vertreiben.

Filmgeschichte, Tricks der Filmemacher, echte Kostüme und Requisiten, ein kleiner Studionachbau... Alles was das Herz begehrt und auf jeden Fall eine Empfehlung für filmbegeisterte Düsseldorf-Besucher.

Nach einem mehrstündigen Aufenthalt im Filmmuseum ging es dann erstmal zur Stärkung in ein China-Restaurant, ehe ich mich zur Bahn Richtung LTU Arena begab, denn dort sollten am Abend schließlich Genesis spielen, und dieses Mal wollte ich relativ weit vorne stehen.

Auf dem Weg zur Bahnstation entdeckte ich eher zufällig in einer Kneipe namens "Engel" noch ein Poster für eine dort nach dem Genesis Konzert stattfindende After-Show-Party, bei der u.a. auch die deutsche Coverband The Path of Genesis spielen sollte, das Ganze sogar bei freiem Eintritt.

Somit war der Rest des Abends nun also auch schon mal verplant.

Gegen ca. 16:00 Uhr kam ich bei der LTU Arena an und fand eine bereits recht ordentliche Menschenschlange am Eingang zum Innenraum vor, bei deren Anblick ich vor meinem geistigen Auge meinen Platz vorne in immer weitere Ferne schweben sah.

Relativ pünktlich begann dann um kurz nach 17:00 Uhr der Einlass, ein allerdings wirklich katastrophaler Einlass...

Derartig strenge Kontrollen habe ich selten zuvor erlebt, und die Ordner schienen noch dazu völlig unkoordiniert und überfordert.

In der Schleuse neben mir staute es sich, weil gerade keine Frau zugegen war, um die dort vorne stehende Frau abzutasten, die irgendwann sogar sagte, dass sie sich auch gerne von einem Mann abtasten ließe, wenn sie denn nur endlich rein käme.

Es war wirklich unfassbar!

Nachdem ich den Einlass dann endlich hinter mich gebracht hatte, begab ich mich schnell Richtung Innenraum, welcher entgegen meinen Erwartungen aber sogar noch relativ leer war, so dass ich ohne Probleme in den vorderen Bereich des dreigeteilten Innenraums gelangte.

Sogar einige Zeit später wurden noch zahlreiche Leute dort hineingelassen.

Da ich jedoch nicht unbedingt ganz vorne in den ersten paar Reihen stehen muss, reichte es mir vollkommen aus, einen Platz im vorderen Bereich sicher zu haben, so dass ich mir auch gleich mein Bändchen abholte, mit welchem ich dann auch später jederzeit wieder in diesen Bereich hineinkommen konnte.

Genesis Innenraumband vom 26.06.2007

Nun war erstmal eine Erkundungtour auf dem Gelände der Arena angesagt, bei der ich auch den Bierbuden zu etwas Umsatz verhalf und die Erfahrung machen musste, dass eine relativ lecker ausschauende Käsestange nicht unbedingt auch lecker schmecken muss.

Gegen ca. 20:00 Uhr begab ich mich dann wieder in den mittlerweile gut gefüllten Innenraum, wo ich einen Platz rechts von der Bühne ergatterte.

Kurz darauf ging es auch schon los, und Genesis betraten unter lautem Gejubel die Bühne.

Mein Platz erwies sich als nahezu perfekt, denn die Band war aus dieser geringen Distanz bis auf Tony Banks hervorragend zu erkennen, von dem ich aufgrund seiner Sitzposition leider meist nur den Rücken zu sehen bekam.

Dafür waren aber die Hauptleinwand in der Bühnenmitte und die kleine Leinwand am rechten Bühnenrand sehr gut zu erkennen.

Was ich in Hamburg bereits befürchtete, erwies sich nun allerdings als Fakt... Ein Großteil der Bühnenshow kommt so weit vorne einfach nicht richtig zur Geltung.

War es in Hamburg noch die Helligkeit, durch die manches verloren ging, war es hier die geringe Distanz.

Da ich damit aber ja bereits gerechnet hatte, störte es mich auch nicht allzu sehr, so dass ich mich bei diesem Konzert also eher auf die Band als auf die Bühnenshow konzentrierte.

Dabei wurde einmal mehr klar, dass da Musiker auf der Bühne stehen, die sich nichts mehr zu beweisen haben und auf Gepose oder ähnliches Superstar-Getue gut verzichten können, von einigen Einlagen von Phil Collins einmal abgesehen.

Routiniert spielten sich Genesis ohne nennenswerte Pannen durch ihr Set, das bisher bei allen Konzerten stets unverändert blieb, was ich jedoch als durchaus positiv empfinde, da dieses Set wirklich absolut stimmig ist.

Somit gilt also auch für dieses Konzert die hier bereits veröffentlichte Setlist.

Als störend erwiesen sich zumindest für mich jedoch die Getränkeverkäufer im Innenraum, welche zumindest dort wo ich stand bei wirklich jedem Song mindestens einmal vorbeiliefen.

Wenn sie denn auch wirklich nur vorbeilgelaufen wären, wäre es ja noch einigermaßen akzeptabel gewesen... Manche brüllten dabei aber tatsächlich ständig lautstark "Will noch jemand Bier?", und das während der Songs.

Als dann noch eine Cocktailverkäuferin mit ihrem Bauchladen ausgerechnet bei "Ripples" direkt vor mir stehen blieb, um einen Cocktail zu verkaufen, hätte ich wirklich beinahe zuviel gekriegt, denn an dem Bauchladen befand sich zu allem Überfluss auch noch ein Fähnchen, welches nun natürlich genau vor meinen Augen baumelte.

Sie war gerade weg, als es von der anderen Seite schon wieder laut "Bier?" schallte.

Diese Leute machen zwar auch nur ihren sicherlich auch nicht gerade stressfreien Job, aber es muss doch wohl wirklich nicht sein, dass man bei einem Konzert inmitten der Songs lautstark durch die Gegend brüllt.

Das war einfach zu viel des Guten, und in einer solchen Häufigkeit und dann auch noch derartig penetrant habe ich das bisher noch bei keinem anderen Stadionkonzert erlebt.

Zwar konnte auch das den Gesamteindruck des wirklich hervorragenden Konzertes nicht kaputtmachen, aber es hat mir doch, besonders bei einigen der eher ruhigen Songs, leider so manchen schönen Moment ruiniert.

Insgesamt war ich aber mehr als nur zufrieden mit dem Konzert, obwohl mir sowohl das Set als auch die Bühnenshow ja bereits aus Hamburg bekannt waren, aber durch das geschlossene Dach der Arena wirkte vieles von Anfang an doch ganz anders als noch in Hamburg, wo die Dunkelheit leider erst relativ spät einsetzte.

Ein paar Videos des Konzertes gibt es bereits in meinem Webalbum zu sehen.

Nach dem Konzert ging es dann sogleich in Richtung Bahnstation, wo jedoch bereits ein regelrechtes Chaos ausgebrochen war, denn tausende andere Konzertbesucher hatten natürlich dieselbe Idee.

Gegen diesen Ansturm konnten auch die zahlreichen Sonderzüge nur wenig ausrichten, die alle paar Minuten fuhren, so dass ich mich erstmal zu Fuß auf den Weg machte.

Irgendwann sah ich dann, dass die vorbeifahrenden Bahnen immer leerer wurden und stieg an der nächsten Haltestelle in eine davon ein, in der sogar tatsächlich auch noch ein Sitzplatz frei war.

Selbige Vorgehensweise erwies sich übrigens bereits bei den beiden Phil Collins Konzerten im November 2005 als sehr praktisch.

Endlich in der Altstadt angekommen, begab ich mich dann auch sogleich ins erstaunlicherweise noch recht leere "Engel", wo sich The Path of Genesis bereits inmitten ihres Auftritts befanden.

Ich setze mich an die Theke und ließ die Musik und einige Gläser Altbier auf mich wirken.

Es war wirklich erstaunlich, wie gut der Sound in solch einer kleinen Kneipe sein kann, aber auch die Band war in jeder Hinsicht überzeugend.

Die Musiker spielten hervorragende Soloparts, und auch die Stimme des Sängers konnte rundum überzeugen, wobei ich es besonders angenehm fand, dass dieser scheinbar gar nicht erst versucht, stimmlich ähnlich wie Phil Collins oder Peter Gabriel zu klingen.

Nachdem ich mir nach dem Auftritt von The Path of Genesis noch deren CD gekauft hatte, ging ich wieder nach draußen, wo ich noch mit einigen sehr netten Genesis Fans aus England und Norwegen ins Gespräch kam, welche ich an dieser Stelle ganz herzlich grüßen möchte.

So ging also auch dieser Abend dem Ende entgegen, und ich machte mich wieder auf den Weg in mein Hotel, dieses Mal jedoch zu Fuß, da die letzten Bahnen und Busse bereits abgefahren waren.

Es sollte aber ja noch ein weiteres Genesis Konzert am nächsten Tag folgen, worüber ich dann im abschließenden Part 3 der "Düsseldorf Diaries" berichten werde.

Freitag, 29. Juni 2007

Lou Reed's "Berlin" (Düsseldorf Diaries, Part 1)

Lou Reed bringt sein legendäres "Berlin" Album von 1973 auf die Bühne, mit Chor und Orchester.

Nur ein einziges Konzert sollte es in Deutschland geben, und wo wohl sonst könnte dieses stattfinden, wenn nicht in Berlin.

Als ich erstmals etwas darüber las, konnte ich es kaum glauben, doch der für die Aufführung angesetzte Termin (26.06.2007) passte mir leider so gar nicht in den Plan, denn ich hatte bereits ein Ticket für das Genesis Konzert in Düsseldorf, welches ebenfalls an genau diesem Tag stattfinden sollte.

Für einige Zeit spielte ich somit sogar tatsächlich mit dem Gedanken, mein Genesis Ticket zugunsten eines Lou Reed Tickets wieder zu verkaufen.

Kurz darauf wurde jedoch eine weitere "Berlin" Aufführung von Lou Reed angekündigt, und dieser Termin passte nun wirklich perfekt, sowohl was den Tag als auch was den Ort angeht.

So fuhr ich also am 25.06.2007 nach Düsseldorf, denn ebendort sollte Lou Reed am Abend in der PhilipsHalle auftreten, direkt an dem Tag vor dem ersten Genesis Konzert in der LTU Arena.

In Düsseldorf begab ich mich erstmal zu meinem Hotel, ehe ich dann mit der U-Bahn Richtung PhilipsHalle fuhr.

Dort angekommen musste ich aber leider feststellen, dass mein Sitzplatz bzw. die gesamte Sitzreihe gar nicht existierte.

Dieses zugegebenermaßen recht seltsame Problem wurde aber von einer sehr freundlichen Ordnerin schnell gelöst, so dass ich schließlich einen sogar noch weiter vorne gelegenen Platz am Mittelgang zugewiesen bekam.

Dem Konzerterlebnis stand nun also nichts mehr im Weg.

Zuvor wurde als eine Art Einstimmung ein von Lou Reed Musik begleiteter Naturfilm als Endlosschleife auf den Bühnenvorhang projiziert.

Dann war es auch schon so weit... Der Vorhang öffnete sich, und Lou Reed erschien auf der Bühne, mit ihm seine Band, ein Kinderchor und ein kleines Orchester.

Zu der Band gehört übrigens auch Gitarrist Steve Hunter, der bereits auf dem "Berlin" Album zu hören ist und auch bei vielen anderen Aufnahmen von Lou Reed mitgewirkt hat.

Ohne große Spielereien begann zuerst der Chor mit einer wundervollen Instrumentalversion von "Sad Song" als Einleitung zum ersten Teil des Konzertes, der Komplettaufführung des "Berlin" Albums.

Bis auf einen kurzen Zwischenruf während des Songs "Berlin" und dem Applaus zwischen den Songs lauschte das Publikum sehr andächtig und konzentriert der Musik des Albums, dessen komplette Liveaufführung nach immerhin 34 Jahren vielen wohl wie ein Traum vorkommen musste.

Lou Reed selbst, bekleidet mit einem schlichten T-Shirt und einer Jeans, übte sich eher in Zurückhaltung und überließ meist den anderen Musikern das Feld, was der Aufführung sehr zu Gute kam.

Er ist nun einmal kein Supertar, der um jeden Preis im Mittelpunkt stehen muss, sondern ein durch ein Leben voller Höhen und Tiefen geprägter Mann, der offenbar lieber seine Musik für sich sprechen lässt und auch vollkommen darin zu versinken scheint.

Seine Stimme trug viel dazu bei, die oftmals beklemmende Atmosphäre der Texte zu vermitteln, wirkte mal kraftvoll und voller Schmerz, mal hatte man aber auch schon fast das Gefühl, eher einem stillen Beobachter der Geschehnisse zu lauschen.

Wer das "Berlin" Album kennt, wird sicherlich wissen, welche bedrückende Faszination es zu vermitteln vermag, doch es live zu erleben, verstärkt diese Erfahrung sogar nochmals.

Die Endparts mancher Songs (z.B. "The Kids" und "Sad Song") wurden mantra-ähnlich wiederholt und frästen sich so regelrecht in die Köpfe des Publikums, welches wie gelähmt den aus den Boxen dringenden Klängen lauschte.

Schon lange nicht mehr habe ich bei einem Konzert ein derartig gefesseltes Publikum erlebt, sogar fotografierende und filmende Leute schien es so gut wie gar nicht nicht zu geben.

Ich selbst hatte zwar mein Fotohandy dabei, wäre aber niemals auf die Idee gekommen, auch nur einen Augenblick der "Berlin" Aufführung für ein Foto oder ein Video zu verschenken.

Das Bühnenbild wurde dominiert von Vorhängen mit einem großformatigen Bild des Künstlers und Filmemachers Julian Schnabel, welcher auch für die gesamte Inszenierung der Aufführung verantwortlich ist, deren Premiere übrigens bereits im letzten Jahr im St. Ann's Warehouse in Brooklyn, NY stattfand.

Auf dieses Bild wurde ein Film projiziert, der aus Elementen bestand, die sich auch in der Geschichte des Albums wiederfinden und den Gesamteindruck somit noch verstärkte, die Geschichte also auch visuell lebendig werden ließ.

Als nach einer guten Stunde die letzten Klänge des finalen "Sad Song" verklungen waren, dauerte es noch einen Moment, ehe das Publikum sich wieder in der Realität zurück wusste und begann, Lou Reed und seine Mitstreiter mit Standing Ovations zu feiern

Erst jetzt wurden dann doch auch die ersten Displays von Kameras und Handies in der Menge sichtbar.

Lou Reed stellte noch ausgiebig die Musiker und andere Mitwirkende vor, ehe sich der Vorhang wieder schloss.

Nun dauerte es eine gefühlte Ewigkeit, bevor es als Zugabe noch ein paar Highlights aus dem langjährigen Schaffen von Lou Reed zu hören gab, diesmal jedoch ebenfalls mit dem Kinderchor und dem Orchester.

Das eh schon stehende Publikum ging näher an die Bühne und wartete gespannt auf das nun Folgende.

Es begann mit einer energiegeladenen Version des Velvet Underground Klassikers "Sweet Jane", bei welcher besonders die stimmgewaltige Sängerin der Band ordentlich punkten konnte und auch Steve Hunter ein weiteres Mal seine Gitarre kräftig quälen durfte.

Auch in das Publikum kam nun erstmals so richtig Bewegung.

Ein Video von "Sweet Jane" und ein weiteres von der Bandvorstellung sind bereits in meinem Webalbum zu finden, von der Aufführung des "Berlin" Albums habe ich aus oben bereits genannten Gründen keine Aufnahmen gemacht.

Weiter ging es mit einer Gänsehautversion von "Satellite Of Love", bei welcher zuerst Bassist Fernando Saunders den Gesang übernahm, ehe dann Lou Reed und später sogar der Chor mit einstimmten.

Zum Abschluss gab es nun noch "Walk On The Wild Side", wobei sich ebenfalls der Chor als großer Gewinn herausstellte und ein wundervolles Saxophonsolo einem regelrecht die Tränen in die Augen trieb.

Nach diesem tollen Finale, wie es stimmiger eigentlich nicht hätte sein können, schloss sich der Vorhang dann auch endgültig.

Am Merchandising-Stand kaufte ich mir noch ein T-Shirt und ein Programm (für gerade einmal 3,- €), welches die Songtexte des "Berlin" Albums in den Sprachen aller Länder enthält, in denen Lou Reed mit dieser Aufführung gastiert.

Nach einem kurzen Abstecher ins Hotel ging es nun weiter in die Altstadt, um noch eine Kleinigkeit zu essen und dann den Abend in einer der vielen Kneipen gemütlich ausklingen zu lassen.

Aus der Kleinigkeit zu essen wurde letztendlich zwar ein großes Steak, doch das gemütliche Ausklingen des Abends hätte wohl gemütlicher nicht sein können.

Eher durch Zufall entdeckte ich in einer Seitenstraße eine kleine Kneipe namens "Em Pöötzke", aus welcher sanfte Jazzmusik auf die Straße drang.

In einem sehr schönen Ambiente spielten dort auf einer kleinen Bühne ein paar Herren richig entspannenden Jazz, wobei ich mir dann noch einige Gläser Altbier genehmigte.

Wer gerne Jazz hört, sollte unbedingt einmal einen kleinen Abstecher in diese Kneipe machen, wenn er mal nach Düsseldorf kommt, denn dort gibt es jeden Abend Livemusik.

Für mich ging es dann aber auch zurück ins Hotel, denn am nächsten Abend sollte ja schon das erste von zwei Genesis Konzerten folgen.

Ein ausführlicher Bericht darüber folgt in den nächsten Tagen in Form von Part 2 der "Düsseldorf Diaries".